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Erlebnisberichte
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Erlebnisbericht 28. März 2015

Mahnwache zum Ende der Internationalen Wochen gegen Rassismus

Es ist Sonnabend, und entgegen dem Wetterbericht ist das Wetter sogar mal ganz gut. Ich habe auf dem Markt zufällig gesehen, dass die Gruppe M.u.T auch irgendwas veranstaltet hat, und zwar vor dem Marcellin–Verbé–Haus, doch ich hatte was anderes zu tun. Schließlich musste ich noch damit fertig werden, bevor ich zu unserer Mahnwache kam. Ich kam zwar noch deutlich vor 13.00 Uhr da an, doch war da schon alles aufgebaut. Ich kuckte zwischendurch mal zur Nazibude rüber, doch war da im Moment noch keine Kundschaft da, nur die »Torfnase«, die von innen den Laden abgeschlossen hatte, wahrscheinlich vor lauter Angst. Die konnte am Abend zuvor hoch zufrieden sein, denn da hatte sie Kundschaft satt und nur ich alleine bei der Mahnwache. Eine Stunde vor wie war auch Lothar für eine Weile alleine bei der Mahnwache. Doch jetzt kamen außer unserer BI auch noch einige junge Leute aus Bergedorf mit an, so dass wir diesmal recht was stärker besetzt waren als sonst immer. Und natürlich waren auch mehr Tröten und Pfeifen da als sonst. Schließlich ging es los. Ein Polizeibeamter war dabei auch anwesend. Zuerst hat uns ein anderer so'n paar Lieder vorgetragen, dann kam Boykott dran. Es gab bei uns auch leckere Sachen zu essen, aber zwischendurch trauten sich doch so'n paar Nazis her, die sich bei Tønsberg einkleiden wollten. Zuerst welche mit WL auf dem Nummernschild, sozusagen Flensburg mit W. Es könnten die gewesen sein, die im letzten September auch schon vor verschlossenen Türen dagestanden hatten. Nun taten sie es wieder, doch diesmal hatte die »Torfnase« sie reingelassen und dann auch gleich wieder abgschlossen. Dafür mussten sie unseren Ruf »Glinde, Glinde, das sind wir! Wir wollen keine Nazis hier!« und unsere Tröten und Pfeifen etwas länger aushalten, wobei der sich anscheinend als eine Art Sieger vorkam. Kurz danach kam noch noch ein Pärchen da rein, noch dazu mit einem Baby im Korb. Auch die mussten sich unseren Ruf und unsere Tröten anhören. Der Typ schrarchelte uns noch irgendwas zu, doch unsere Tröten hatten sein Geschrarchel übertönt. Zwischendurch kam auch der andere Typ da rein, der mal behauptet hat, nur aus Jux und Tollerei da rein zu gehen. Gelegentlich starrte uns einer von da drinnen an und stand da rum wie ein Gumminazi. Zum Schluss kamen da sogar noch welche aus Pinneberg da rein, die von unserem Ruf auch nicht verschont blieben. Also die anderen da raus kamen, kriegten die noch etwas Musik von unseren Tröten, und von den jungen Leuten aus Bergedorf noch den Ruf »Nazis sind Scheiße! […] Eure Kinder werden so wie wir!« Als wir unsere Zelte abgebaut hatten und vom Platz gingen, waren nur noch die aus Pinneberg da. Wie lange noch, weiß ich nicht, denn so lange waren wir nicht mehr da. Doch während Boykott noch seine Sachen brachte, dachte ich schon daran, die Lautsprecherboxen so aufzustellen, dass die Scheiben von der Nazibude durch permanente Vibration zersplittern, so dass sie anschließend Scheiben aus Gummiglas einbauen müssten. Das wäre doch ein Gag!

Nun halten wir schon seit über 3,5 Jahren Mahnwachen ab, und es ist nach wie vor wünschenswert, dass wir da mal mehr Unterstützung kriegen, damit wir nicht immer nur mit 2 – 3 Leuten da rumstehen oder gar nur einer alleine. Das bringt gar nichts. Denn wir wollen doch wohl alle, dass die Nazibude spätestens im September 2016 verschwindet. Wir werden auch noch die übrige Zeit durchstehen. Nur noch knapp 18 Monate, dann sollte es geschafft sein, außer wenn die Betreiber von ihrer Option mit den Verlängerungen Gebrauch machen. Bis wir das wissen, müssen wir noch durchhalten. In diesem Sinne...

Lass uns weitermachen, immer weiter bis die Bude zum Teufel ist, wo sie hingehört!

Sven




Erlebnisbericht 28. Februar 2015

Spezialmahnwache zur Weißen Rose

Prolog:

1942 in einer Universität in München: Dies war eine Universität, in der es zu jener Zeit etwa 8000 Studenten gab. Viele der Studenten mochten wohl erkannt haben, wohin es mit Deutschland ging, wenn das Nazi–Regime so weiter machte wie bisher, doch nur die wenigsten lehnten sich dagegen auf. Nur etwa 20 bis 50 Studenten waren es, die mit Flugblättern zum passiven Widerstand gegen das Nazi–Regime aufriefen. Unter ihnen waren die Geschwister Sophie und Hans Scholl und deren Freund Christoph Probst. Sie gründeten die Widerstandsgruppe Weiße Rose. Im Februar 1943, also kurz nach dem Fall Stalingrads hatte der Hausmeister der Universität sie denunziert. Darufhin wurden sie zum Tode verurteilt und zum Volksgerichtshof gezerrt, wo der berüchtigte Galgenrichter Roland Freisler dieses Todesurteil in einem seiner berüchtigten Schrarchelkonzerte noch mal aussprach, um der ganzen Schweinerei einen legalen Anstrich zu verpassen. Kurz danach wurden sie und einige andere mehr mit dem Fallbeil ermordet. Das war leider der Preis, den sie für ihre Zivilcourage bezahlen mussten, wie auch später die Attentäter vom 20. Juli 1944.

Die Mahnwache:

Zum Andenken an die Geschwister Scholl haben wir den Platz da oben am Glinder Berg in Geschwister–Scholl–Platz umbenannt. Dieses Mal hatten wir mal schönes Wetter; die Wettergötter waren diesmal mit uns. Es sollte von 13.00 Uhr bis etwa um 15.00 Uhr gehen. Die Mahnwache war für diese Aktion mal besser besetzt als es zu den alltäglichen Mahnwachen der Fall ist. Und auch der NDR war mit Kamera und Mikrofon anwesend. Passend zur Veranstaltung wurde auch Swingmusik gespielt, denn in der Nazizeit war Swingtanzen bekanntlich verboten. Dann ging es los mit den Lesungen. Zuerst waren Sandra und ich dran mit Auszügen aus einem Interview mit Hildegard Hamm–Brücher, die von 1940 bis 1945 in jener Universität in München Chemie studiert hatte, später in die Politik ging und 1994 sogar für das Amt der Bundespräsidentin kandidierte. Dabei war dort zu lesen, dass von den etwa 8000 Münchner Studenten nur 20 bis 50 waren, die sich gegen Hitler und das Regime auflehnten. Wenn es, sagen wir mal, 40 waren, so wäre es gerade mal 0,5% der Studenten dort gewesen. Das war, so sagte Frau Hamm–Brücher, blamabel. Auch hatten wir [Sandra und ich] aus einigen der Flugblätter vorgelesen, denn heute ist es, genau wie damals, wichtig, die Leute wachzurütteln, damit so ein Schiet wie die Nazi–Schweinerei von damals nicht noch mal passiert. Denn ausgerechnet an diesem Tag waren da recht viele Kunden in dieser ätzenden Nazibude, um sich dort einzukleiden. Die haben wir, begleitet vom Kamerateam des NDR, fleißig ausgetrötet. Die Typen wollten unbedingt noch die letzte Gelegenheit nutzen, um ihre 30% auf das Nazigelumpe zu kriegen, und das ausgerechnet an einem Tag, an dem wir mal recht viele waren, während an manchen anderen Tagen gar keiner kam. An dieser Stelle möchte ich noch mal ein wenig aus dem Interview mit Hildegard Hamm–Brücher zitieren: »Von den etwa 8000 Münchner Studenten waren es vielleicht 20 bis 50[ … ] Das ist das Blamable, dass die klaren und mutigen Flugblätter so wenig Resonanz fanden.«

Und wie ist es heute? Wir habe immer noch den verwahrlosten Tønsberg–Laden in Glinde, das gut über 17.000 Einwohner hat. Wenn man davon die Babys und Kleinkinder auf der einen Seite abzieht und auf der anderen Seite die Leute, die zu alt und stubbelig sind, um noch bei der Mahnwache stehen zu können, dürften noch grob geschätzt etwa 15.000 Einwohner übrig bleiben, die uns mal gelegentlich bei der Mahnwache unterstützen könnten. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Wir stehen im Jahresdurchschnitt mit 5 Personen auf der Mahnwache rum. 5 von 15.000, das sind gerade mal 0,03%. Das ist noch kläglicher als die 0,5% von 1942/43. Wie heißt es noch in einem der Flugblätter der Weißen Rose? So war es: »Und wieder schläft das deutsche Volk in seinem stumpfen, blöden Schlaf weiter und gibt den faschistischen Verbrechern Gelegenheit, weiter zu töten!« Es ist also klar, wir werden noch viel damit zu tun haben, die Glinder Bürger(innen) wachzurütteln angesichts der Neonazis, die mit ihrem Thor–Steinar–Gelumpe in ihren Startlöchern hocken und auf eine passende Gelegenheit warten, sich an die Macht zu putschen. Das darf auf keinen Fall passieren. Wir werden also auch in den Zeiten, nachdem die Nazibude weg ist, genug damit zu tun haben, über die Gefahren aufzuklären, die auch in Zukunft präsent sind. Jetzt ist die Aktion von Tønsberg mit den 30% auf alles Nazigelumpe zu Ende. Wenn die Bude nicht gerade jetzt von der Bildfläche verschwindet, dann doch wohl im September 2016, im GAU–Fall (Größtes Anzunehmendes Unheil) allerdings erst 2024. Oje, bloß das nicht!

Also, zum Schluss kommt das Vermächtnis der Weißen Rose:

Seht nicht weg, wenn Ausländer angegriffen werden!

Kämpft gegen Rechtsextremismus!

Habt Zivilcourage!

 

Sven

























Erlebnisbericht vom 17.2.15
Die Geschichte vom R


olladen

In einer Rolladenfabrik wurde ein Rolladen geboren, blank, schön, sein Rollmechanismus funktionierte einwandfrei und er war braun.
Er war neugierig, wo er seine Aufgabe erfüllen sollte. Es ging nach Glinde bei Hamburg in eine neugierige, junge und bunte Stadt. Der Rolladen wurde vor einem Laden montiert in dem blaue Hosen, graue und weiße Jacken, T- Shirts und dergleichen mehr lagen. Aber bei näherem Hinsehen stellte er fest, dass unter den blauen und anderen Farben ein sattes Braun zu sehen war, also waren die anderen Farben nur Tarnung. Das gefiel dem Rolladen, denn er war ja selber braun. Er beschloss gut auf dieses Schaufenster aufzupassen.
Aber oh weh, in der Nacht kamen böse Buben und beschmierten ihn mit Sprüchen und Farbklecksen, klebten Plakate auf ihn und manipulierten seinen Rollmechanismus so, dass er nicht mehr richtig rauf und runter rollen könnte. So blieb er fast immer zur Hälfte vor dem Schaufenster und musste ganz oft mit den Händen runter gezerrt werden. Das war blamabel und der Rolladen hoffte auf eine Reparatur. Doch die blieb aus ! Woran mochte das wohl liegen,
Warum kamen bloß so wenig Kunden und kauften diese braunen Sachen ? Liegt es vielleicht an den Menschen, die fast jeden Abend von 17 - 19 Uhr davor stehen und jeden, der nur die Klinke in die Hand nimmt gnadenlos auspfeifen ?
Na ja, so eine Reparatur kostet ja auch viel Geld und wenn die Kunden ausbleiben ?!
Der Rolladen überlegte lange und dachte so bei sich: Wenn ich der Mieter dieses Geschäftes wäre, würde ich aus Schaden klug werden und diesen braunen Laden schließen, aber soviel Klugheit kann man von dem jetzigen Mieter wohl nicht erwarten!!!!!

Elisabeth







Als ich heute morgen auf den Marktplatz kam, sah ich die Fahnen auf halbmast. Ich stutze, dann fiel es mir wieder ein: heute begehen wir den Holocaust - Gedenktag, die Befreiung der Menschen aus dem KZ.
Viele, viel zu viele sind ermordet worden und wenige, viel zu wenige wurden gerettet.
Wie können die Menschen weiterleben nachdem sie das Grauen, die Menschenverachtung und die permanente Bedrohung ihres Lebens mitgemacht haben? Ich weiß es nicht.
Im Fernsehen sah ich Jehuda Bacon, der Auschwitz überlebt hat. Er sprach mit einer inneren Ruhe, Gelassenheit und ohne Hass über diese Zeit. Ich bewundere Menschen, die so etwas schaffen.
Im Gedenken an die Opfer des Holocaust zündeten wir auf der Mahnwache Kerzen an, spielten Musik einer Sinti Band. Zum Ende der Mahnwache stellten wir die weißen, brennenden Grablichter etwas seitlich vor den Tonsberg Laden, da dieser noch geöffnet hatte.
Nach unserem Plenum wollten wir die Kerzen direkt vor das Schaufenster des Tonsberg Ladens stellen.
Als wir unser Vorhaben umsetzen wollten, waren die Kerzen verschwunden.

Wie zynisch und menschenverachtend ist es, Kerzen, die für Holocaust Opfer leuchten zu
STEHLEN !!!!!!!





Erlebnisbericht 10. Januar 2015

Neujahrsempfang mal ganz anders

Es ist Sonnabend, und obwohl es eigentlich hell sein müsste, ist es eher halbdunkel. Es wiederholt sich scheinbar alles, denn das Wetter ist heute noch ätzender als beim Weihnachtssingen, denn jetzt kommt außerdem noch so ein heftiger Sturm dazu. Wie es scheint, sind die Wettergötter mit den Nazis (WÜRG!). Denn bei so einem Wetter können wir nicht vor dem Laden stehen. Ich lief zu Fuß in Richtung Glinder Berg hoch, doch da war niemand zu sehen. Unser Neujahrsempfang wurde diesmal in den Raum verlegt, wo wir immer unser Plenum haben. Da hatten wir es immerhin schön warm. Nun hatte ich es nicht ganz von vorne mitgekriegt, denn als ich ankam, hatten die Reden schon begonnen. Die von Herrn Budde war schon in Gange als ich dort ankam. Zwischendurch sprach auch mal Hans–Jürgen, und dann wieder ein anderer. Es kann sein, dass ich eventuell eine Rede verpasst habe, das weiß ich nicht, doch es gab doch hier Glühwein, Würste, Kuchen und Kekse und Berliner. Und Musik von Nomi & Mac. Das haben die wirklich ganz toll gemacht. Es gab bei einer Rede von Hans–Jürgen auch zwischendurch mal eine Schweigeminute zum Gedenken wegen dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo, der 17 Todesopfer gefordert hatte. Das war für das braune Ungeziefer von Pegida, HogeSa, evtl auch NPD und ANfD (eigentlich heißen die AfD, aber ich habe es ein wenig umbenannt: ANfD=Alles Naive für Deutschland ) ein gefundenes Fressen, denn die werden es ohne Zweifel für ihre eigene Lügenpropaganda verwenden. Und außerdem werden sie so tun, als hätten sie es »immer schon gewusst«, aber die wissen gar nichts. Auf der Gegenseite ist nämlich überall der Spruch zu sehen: Je suis Charlie, das soll wohl bedeuten: »Wir sind Charlie«. Eines steht für uns aber fest: Wir werden weiterhin stehen bleiben auf den Mahnwachen, und zwar nicht aus Gründen der Publicity, sondern weil wir den Laden da oben weg haben wollen, wie lange es auch immer dauern mag. Doch da, wo die Betreiber die Ladenräume [für Tønsberg] gekauft haben, ist es nicht mehr möglich, die da raus zu kriegen. Jedenfalls nicht mit gesetzlichen Mitteln. Also müsste ein Gesetz ran, das die menschenverachtende und gewaltverherrlichende Symbolik unter Strafe stellt, wenn man mit so was in der Öffentlichkeit rumläuft. Ob wir das noch erleben dürfen? Na. Mal sehen... Wir versuchen weiterhin, den Laden möglichst bis 2016, am liebsten früher, loszuwerden. In diesem Sinne wünschen wir uns damit viel Erfolg.

 

Sven 






Erlebnisbericht 20. Dezember 2014
Notonsberger Weihnachtssingen 2014

Es ist Sonnabend, und obwohl es eigentlich hell sein müsste, ist es eher halbdunkel. Da draußen ist ein Wetter wie bei Schnullerine in der Hose (WÜRG!). Das soll doch wohl nichtden ganzen Tag so weitergehen. Nein, das bleibt auch nicht so, denn zwischendurch lässt es mal nach. Kurz nach 13.00 Uhr komme ich dann auch am Glinder Berg an. Die meisten anderen sind schon da, und aus diesem Anlass sind jetzt mehr dabei als sonst immer. Es dauert eine Weile bis die Anlage da ist, doch dann geht es allmählich los. Inzwischen hat Lothar auch unsere Freiheizstatue rangeholt, die aber im Zelt keinen Platz mehr hat. Der Tønsberg–Laden hat natürlich auch auf, und zu unserem Leidwesen ist es dort zeitweise gerammelt voll mit diesen vakuumköpfigen Neanderthalern, von denen einer ein Auto fuhr mit der Aufschrift Böhse Onkelz groß hinten drauf. Und der hatte auch schon Thor Steinar auf seinem Plünn hinten drauf stehen. Das war klar, dass der mit seinen Leuten da rein ging. Doch wir haben denen unseren Spruch hinterher gerufen, und auch unsere Tröten kamen recht oft zum Einsatz.
Das Weihnachtssingen sollte natürlich auch losgehen, und kaum hatten wir es beendet, klarte es auch schon auf, wenn auch nur für kurze Zeit. Zwischendurch sind die Typen aus dem Laden rausgekommen. Wieder haben wir denen hinterher gerufen, was wir immer rufen und unsere Tröten betätigt, wie üblich. Zwischendrurch war der Laden mal leer, doch dann kam wieder ein Päarchen an. Einer war so perversianisch und musste gegen den Zaun schiffen (WÜRG!). Dann gingen sie da rein, und wir haben sie auch noch rauskommen sehen. Als wir dann alles weggeräumt hatten, war noch einer im Laden. Und der blieb dann leider so lange da, bis wir alle weg waren. Doch wir bleiben immer noch dran. Wie heißt es noch so schön in einem unserer Lieder? So war das: Komm doch auch zur Glinder BI / In der Hamburger Peripherie / Gegen Rechts für bunt / tun wir allen kund / Nazis wolln wir nirgends sehn / Deshalb bleiben wir hier stehn! Und das so lange, bis der braune Laden weg ist. Man kann sich ja auch wünschen, dass die Bude von alleine verschwindet. Schließlich haben wir ja einen Wunsch–Weihnachtsbaum beim Stromkasten stehen. Und da haben wohl die meisten von uns ihre/unsere Weihnachtswünsche drangehängt. Und wir wünschen uns alle, dass diese sich erfüllen.
Na dann … Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr
Sven





Ich komme auf den Berg und als erstes fällt mir auf, dass das Fenster des Ladens sozusagen mit Brettern verstellt ist. Haben sie Angst, dass irgendwelche bösen Subjekte ihre " kostbare
Ware " beschmutzen oder stehlen wollen?  Haben die Verkäuferinnen Angst vor Gewalt ? Oder..... .?
Oder...... .?
Da sehe ich des Rätsels Lösung : die Scheibe ist kaputt !!!
(Siehe Foto des Monats)

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu Sorgen  (Altes Sprichwort )
   die Bürgerinitiative "Glinde gegen rechts"






Erlebnisbericht 10. November 2014

Eine besondere Mahnwache zum Gedenktag
 Lichter gegen das Vergessen

Es ist Montag, und ich wäre normalerweise nicht bei der Mahnwache unter der Woche, aber diesmal ist es anders. Denn beim Plenum vom letzten Dienstag [4. November] wurde beschlossen, dass wir alle daran teilnehmen sollten. Einige von uns hatten einen Teil von einem Text, aus dem zum Anlass der Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 (auch Reichskristallnacht genannt) vorgelesen werden sollte. Ich hatte auch einen Teil rausgenommen, und zwar den mit der Nr. 4. Da ich jedoch berufstätig bin, habe ich es nicht ganz geschafft, um 17.00 Uhr da zu sein. Das Zelt stand schon da, auch die anderen Sachen waren bereits aufgebaut. Viele hatten auch Lichter mitgebracht, denn bei dieser Mahnwache waren so viele Leute dabei, auch welche von der Gruppe M.u.T, die sonst nicht dabei sind. Und natürlich auch Unterstützer, die sonst auch nie oder nur selten da sind. Dann sollte es mit dem Lesen anfangen.

Hans–Jürgen fing mit der Nr. 1 an, doch wer auch immer die Nr. 2 hatte, war nicht da. So war Sylvia dann dafür eingesprungen, denn Inga hatte für solche Fälle [der Abwesenheit oder Vergesslichkeit] immer einen Satz dieser Textteile in Reserve. Danach ging es wie-der planmäßig weiter. Sandra hatte die Nr. 3 vorgelesen, ich die Nr. 4, Dorothee die Nr. 5, und so ging es weiter, bis der Text zu Ende war. Danach ging die Mahnwache normal weiter, und einige von denen, die sonst (so gut wie) nie dabei waren, verabschiedeten sich kurz danach wieder. Trotzdem waren wir immer noch zahlreich vertreten, so viele wie schon seit langem nicht mehr, von Großdemos abgesehen.

Immerhin war an diesem Abend nicht ein einziger in dem Laden, um sich dort einzuklei-den. Einzig die Verkäuferin war da, aber keine von den beiden, die wir sonst immer dort sehen. Sie hatte die Leerlaufzeit genutzt, um einen ihrer »Gumminazis« etwas anderes anzuziehen, um ihn dann wieder hinzuhängen. Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass sie den Laden um 19.00 Uhr schließt, doch dann erfuhren wir, dass der Tønsberg–Laden nun bis um 20.00 Uhr auf hatte. Doch ungeachtet dessen hatte sie an diesem Abend trotzdem keine Kundschaft. Das hinderte uns aber nicht daran, die Lichter neben dem Laden aufzustellen, solange die Behälter dafür nicht aus Glas waren. Die Verkäuferin kam mal raus und fragte, ob es auch 80 Lichter waren. Ich schlug ihr vor, die Dinger zu nummerieren, doch das wollte sie lieber nicht. Immerhin war sie etwas umgänglicher als die beiden anderen, die sonst immer da waren.

Ich denke, jeder wird wohl sagen können, dieses war eine gelungene Veranstaltung. Wir müssten jeden Tag so viele Teilnehmer und Unterstützer bei der Mahnwache haben. Dann wäre es wohl nur noch eine Frage der Zeit, von nicht mehr allzu viel zeit, dann wären wir die Bude los. Dann würde niemand mehr über die Verlängerung bis 2024 im GAU–Fall nachdenken.

                                        

 

 

Erlebnisbericht 20. September 2014

3 Jahre Widerstand gegen Tønsberg

Es ist Sonnabend, ein Tag mit schönem Wetter. Es ist noch sommerlich warm da draußen. Nun bin ich aber nicht so früh hochgekommen, denn als ich ankam, war alles schon aufgebaut. Zelte, Grill, Tische für die Kuchen und Getränke stehen alle schon da. Und der Rolladen von der Nazibude ist runter gelassen. Der Laden ist zu. Da stehen inzwischen nicht nur welche von uns da, sondern auch andere. Leider auch einer von denen, die bei Tønsberg eingekauft haben, der sich darüber ärgert, dass der Laden heute zu ist. Der brüstete sich damit, dasss er seine Arbeitshose dort gekauft hatte. Ich hätte sie an seiner Stelle woanders gekauft. Arbeitskleidung mit gleicher Qualität gibt es ja auch in einem vernünftigen Laden. Dabei hatte ich ihm vorher noch erklärt, jeder Tag, an dem der [ Tønsberg-]Laden zu hat, ist ein Tag weniger, an dem sie dort Umsätze machen können.

Dann gehe ich runter zur Marktpassage, an derselben Stelle, wo wir zwei Jahre zuvor mit den Besen losgelaufen waren. Dort sind schon einige von uns schon da, unter anderen auch Sandra, die ihren bunt gestalteten Pappkarton mit ihrem bunten Besen. Ich hatte einen bunten Staubwedel mit. Auch einige unserer »Ehemaligen«, die neuerdings die Gruppe M.u.T. Gegründet haben, sind dort erschienen. Der Bürgermeister von Glinde, Rainhard Zug, ist auch schon da und einige vom Parteienbündnis. Und da stehen 12 Umzugskartons, ohne dass da was drauf steht. Wie ich später hörte, waren insgesamt 180 Demonstranten da, wobei die Überzahl von Auswärts kam. Um 12.34 MEGUZ (Mittel-Europäische Gefälschte Uhr-Zeit) ging es endlich los. Es ertönen Pfeifen, Tröten und unser bekannter Ruf: »Glinde, Glinde, das sind wir! Wir wollen keine Nazis hier!« Als wir das Haus an der Möllner Landstraße mit der verwahrlosten Hecke (wenn das eine sein soll), und mit dem ebenso verwahrlosten Grundstück, passieren, rufen wir das Gleiche. Die Jugendgruppe aus Bergedorf(?) ruft ihr: »Alerta! Alerta! Anti–Faschista!«

Oben angekommen stelle ich fest, dass meine Nachbarn von unter mir auch da sind. Vor dem Laden wird unser Transparent festgespannt, aber die von der Gruppe M.u.T spannen ihr Transparent neben unserem. Und wir stellen unsere 12 Umzugskartons vor dem Laden auf mitsamt einiger Bistro–Tische. Auch der Bürgermeister packt mit an. Als der seine Rede hält, ruft jener, der seiine Arbeitshose ... aber das sagte ich ja schon ... also, der leiert es runter wie ein Roboter mit eingebautem Plattenspieler:»Warum macht ihr so was!? ... Warum macht ihr so was!?« Dabei zeigt er immer wieder auf unser Transparent und die Pappkartons. Als der Bürgermeister mit seiner Rede fertig ist, brüllt der Döskopp noch:»Ja, ja, hau bloß ab, du Arschloch!« ...und zeigt dabei noch seinen Stinkefinger.

Für Unterhaltung sorgte die Gruppe Gutzeit unter anderem mit dem uns wohlbekannten Song: »Nazis raus aus unserer Stadt / weil sie avon schon genug gesehen hat / Ob Neo- oder Altfaschist / ist doch der gleiche Mist!«

Kurz danach ist er aber selber gegangen. Als der offizielle Teil unserer Demo zu Ende ist, haben die Leute von der M.u.T. –Gruppe ihr Transparent abgenommen und sind ebenfalls gegangen. Es gab aber noch welche, die anscheinend nicht wussten, dass wir eine Großdemo hatten. Sie kamen mit einem Auto mit WL auf dem Nummernschild. Ob die wohl Flensburg mit W schreiben? Nein, eher nicht. Die kommen von woanders her, nicht aus Schleswig–Holstein. Sie wollten dort einkaufen, machten aber lange Gesichter, als sie feststellen mussten, das der Laden zu ist. Hö, hö, hö, hö, hö!

Ich kann für mich sagen, dass ich eher in einem Mistpott rumlaufen würde als so einen Laden zu betreten. Und bevor ich dort auch nur einen einzigen Cent gelassen hätte, da würde ich eher 100 Euro in einen Gully werfen. Trotz gewisser Enttäuschungen, die wir im Plenum besprochen haben war es doch ein schöner Tag. Also, wir machen weiter, bis diese ätzende Nazibude endlich verschwunden ist.



Erlebnisbericht Mahnwache 24.9.2014 

Als ich um kurz nach 17 Uhr am Glinder Berg ankomme, ist Lothar schon da und raucht erst mal eine. Vier Tage nach unserer erfolgreichen Demo, an der ca. 180 Leute und auch viele mit uns solidarische Initiativen, Gruppen und Vereine teilnahmen, tauschen wir vergangene Eindrücke aus.
Sven und Sandra kommen heute mit dem Auto, denn Sven hat Geburtstag. Die beiden laden einen Campingtisch aus. Sven stellt seinen selbstgebackenen Kuchen darauf und Sandra drapiert einen Picknickkorb mit Kaffee, Tellern und Bechern dazu. Sven wird mit herzlichen Glückwünschen von uns  begrüßt.

Wir holen unser Transpi und befestigen es mit Transportgummis zwischen den Bürgersteig - Pollern. Dann genießen wir Geburtstagskuchen und Kaffee.

Gerda kommt mit dem Fahrrad und freut sich auch über Sven und seinen Kuchen. Der Austausch über den vergangenen Samstag und was sonst noch passiert ist, geht angeregt weiter.

Plötzlich kommt ein älterer Herr auf uns zu und drückt uns einen Geldschein in die Hand! Er möchte so seine Dankbarkeit über unsere Aktivität und unser Durchhaltevermögen ausdrücken! Ich bin zuerst völlig überrascht und dann sehr gerührt. Diese Geste finde ich  wunderbar. Das gibt uns Auftrieb, denn es ist manchmal doch sehr nüchtern, die Mahnwache immer wieder aufrechtzuhalten.

Heute kommt auch Christel, wie meistens. Auch sie gratuliert Sven herzlich zum Geburtstag und freut sich über den leckeren Kuchen. Genauso macht es auch Dorotee, die eben eintrifft. Wir sind nun schon sieben Leute, die gegen den braunen Laden hier Stellung beziehen!

Auf uns zu kommt eine fröhlich lachende und winkende Dame, die bei uns stehen bleibt und uns ihre Begeisterung über die schon seit drei Jahren bestehende Mahnwache mitteilt. Ihre ganze Hamburger Firma stehe mit Empathie hinter uns. Alle sind stolz auf ihre Kollegin, die aus so einer aktiv gegen rechts agierenden Stadt kommt, denn in Glinde zeige sich Mut und Durchhaltewillen im Kampf gegen „rechtes Gedankengut“. Sie wollen einen Leserbrief an die Zeitung schreiben und so ihre Verbundenheit mit uns zum Ausdruck bringen. Wir von der Mahnwache sind glücklich über diese Anteilnahme und laden die Dame ein, doch auch mal mit uns einen anregenden Nachmittag am Glinder Berg zu verbringen.

Viele Autofahrer hupen und winken uns aufmunternd zu. Das ist schön!

Rolf kommt mit den neuesten Nachrichten, die nach der Demo doch recht zahlreich zu uns gelangen. Er bekommt das letzte Stück von Svens Geburtstagskuchen.

Wir sind guten Mutes. Niemand hat heute den Laden betreten. Der Zuspruch hat uns gutgetan.

Es war schön heute am Glinder Berg!  

Wenn Du unsere Gedanken teilst, komm doch auch mal zur Mahnwache!

Inga




Erlebnisbericht 21.09.2014
Das Mahnwachenzelt der BI in der St. Johanneskirche

 

 Unsere Mahnwachenzelt hat schon an vielen Orten gestanden, natürlich am meisten

auf dem Glinder Berg, aber ebenso auf Fußballplätzen, im Stadtpark, auf Märkten oder

in der „Großen Freiheit“ auf St. Pauli, aber in einer Kirche bisher noch nicht.

Anlaß dazu war  ein Gottesdienst am letzten Sonntag im Zusammenhang mit dem 3. Jahrestag

der Eröffnung  des Thor Steinar-Ladens „Tönsberg“ in Glinde. Pastor  Neumann-Holbek hatte zu diesem besonderen Gottesdienst am Tag nach der Demonstration auf dem Glinder Berg in die St. Johannes Kirche, Glinde eingeladen.

Nach Eingangsmusik, Begrüßung und Einleitungsteil wurde im Altarraum wurde das Mahnwachenzelt der Bürgerinitiative aufgestellt, das sichtbare Zeichen unseres Protestes.

Im Hintergrund des Gottesdienstes tand die Frage, was hat der christliche Glaube mit Politik zu tun? Darf, soll oder muß sich die Kirche gar in die Politik einmischen? Oder soll sie nicht, wie immer noch viele meinen, eher bei ihren Leisten bleiben?

Nach den Erfahrungen mit dem sog. 3. Reich und seiner menschenverachtenden NS-Ideo-

logie und ihren verheerenden Folgen dürfte die Antwort für viele andere inzwischen

klar sein. Stellvertetend  für Christen im Widerstand war im Gottesdienst die Stimme

des Pf arrers und Mitbegründers der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, zu hören.

Nach all den Schrecken jener unheilvollen Zeit rief  er die Christen neben der Erinnerung

an eigenes Versagen und Schuld auch der Kirche dazu auf,  ihre Verantwortung vor Gott und den Menschen neu zu erkennen und für eine andere, friedliche und gerechte Zukunft  der Welt  einzutreten. Der Pastor spannte den Bogen weiter bis in die Gegenwart, etwa  bis zu der Herausforderung, die der Laden am Glinder Berg für unsere Stadt darstellt, aber auch zu der Frage an jeden Einzelnen,  „was machst Du aus deinem Leben?“  Dabei erinnerte er an den

Schuster Wilhelm Voigt aus Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ , der sich in Gedanken vorstellte, wie er einst von Gott beim jüngsten Gericht  so gefragt werden könnte.

Es ging, wie Sören Neumann-Holbeck im Gemeindebrief geschrieben hatte, um „Mut und Angst, Tatkraft, Bekenntnis und Schweigen,“ die zu uns Menschen gehören und unsere Antwort erwarten.

Bei allem Ernst des Themas war es ein anregender, fröhlicher und  mutmachender  Gottesdienst mit seinen Texten und Liedern, der soviel Stoff zum Nachdenken gab, daß

ein Mitglied der BI sich am Ende vom Pastor gleich die Predigt mit nach Haus geben ließ.

Vielen Dank, Sören, für dieses gute Angebot und überhaupt Euch Verantwortlichen der St. Johannesgemeinde  für alle Unterstützung  unserer gemeinsamen Sache!

 Hans-Jürgen




 




Erlebnisbericht 20.09.2014
3 Jahre Tonsberg sind entschieden 3 Jahre zu viel !

Deshalb ein Aufruf zu einer 3.Demo in Zusammenarbeit mit dem Parteienbündnis und der BI.

Das Wetter ist schön. Als wir so gegen 11 Uhr am Berg ankommen, geht der Rolladen des Geschäftes runter und wir verabschieden die Verkäuferin mit einem gellenden Pfeif - und Trötenkonzert.
Der Aufbau geht zügig voran, bald glüht der Grill und wir warten auf die Demonstranten.
Ein mir unbekannter Mann trinkt unseren Kaffee und verwickelt mich in ein Gespräch :
" Warum tut ihr das, die Klamotten sind geil, der Inhaber ist ein Schweizer und tut wirklich keinem was, er ist kein Nazi " und so geht die altbekannte Leier weiter und weiter.
Bei mir hat der Wutpegel die Unterlippe erreicht und versuche ihn mit Gegenargumenten zu erreichen. Vergebens ! Ich lasse so viel geballte Dummheit links ( oder soll ich vielleicht sagen
Rechts ) liegen und wende mich anderen Dingen zu.
Da kommen die Menschen, die nicht müde werden mit uns zusammen gegen diesen Laden, bzw. gegen die braune Gesinnung zu demonstrieren .
Zwei kurze Reden, dann werden Bistrotische vor den Laden gestellt, Kartons zum symbolischen Einpacken werden vor den Laden gestapelt. Die Menschen stellen sich an die Bistrotische und besetzen so symbolisch das Terrain des so verhassten Ladens. Gespräche werden geführt, das leibliche Wohl kommt auch nicht zu kurz. Das alles wird begleitet von der Musik von Peter Gutzeit und seinen Mitspielern. Sie spielen mein Lieblingslied : Nazis raus aus unserer Stadt "
Langsam löst sich die Demo auf.
Als wir fast mit dem Aufräumen fertig sind kommt ein Auto mit Kunden. Sie stoßen sich gehörig die Nase und schauen ziemlich dumm aus der Wäsche, weil der Laden für heute geschlossen hat. Sie treten den Rückzug an. Wir können unsere Schadensfreude kaum verbergen, denn

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben "


 




Erlebnisbericht 04.08.2014

Ich war in Hamburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Plötzlich traute ich meinen
Augen kaum: Ein Mann, gewandet in ein weißes Hemd, 3/4lange Hose und schöne,weiße
Socken. Dazu ein Käppi. Hemd und Socken waren gut sichtbar mit dem Thor Steiner
Logo verziert. Vervollständigt wurde das Bild des Mannes durch einen Gehwagen!
Nachdem bei mir die erste Übelkeit verflogen war drängten sich mir mehrere Fragen auf:
Hat den der Mensch in der Schule nicht aufgepasst ? Weiß er denn nicht, dass in unserer Vergangenheit Behinderte und Kranke ganz oben auf der Abschussliste der Braunen standen!
Scheinbar nicht, denn er kauft in den Geschäften die bei den ewig gestrigen Braunen sehr beliebt sind.
Dazu fällt mir nur noch ein Spruch aus meiner Kindheit ein

" Doof bleibt Doof da helfen auch keine Pillen "


 

 Erlebnisbericht AFD 26.04.2014

Nach einer langen und weinseligen Nacht machte ich mich am Samstag auf den Weg um auf dem Glinder Marktplatz Flyer für die 2. Glinder Lesenacht am 10.05.14 zu verteilen. Als ich die Möllner Landstraße hinunter fuhr, drehte sich mir der Magen um und ich hätte nur noch ko…. können, denn an fast jeder Laterne hing ein dummer Spruch der AFD. Erinnerungen an den letzten Wahlkampf der NPD wurden wach und irgendwie haben die voneinander abgeschrieben. Die wollen uns für dumm verkaufen – dachte ich mir so und in den Fingern kribbelte es gehörig, denn dieser Dreck gehört nicht auf unsere Straße und in unsere Parlamente – dachte ich mir so.

Das dicke Ende kam dann in der Marktpassage, denn dort hatte die AFD einen Infotisch aufgestellt und verteilte fleißig Broschüren an die Bevölkerung und Luftballons an die Kleinen. Instinktiv wollte mein Mageninhalt an die frische Luft, doch mit viel Geduld und Spucke bekam ich das Problem in den Griff. Unfassbar, dachte ich mir so, denn weit und breit waren keine Menschen zu sehen, die dem „bunten“ Treiben der Alternative für Deutschland etwas entgegen setzten. Ich träumte mich nach Berlin, wo zum gleichen Zeitpunkt 6000 Menschen einen Naziaufmarsch verhinderten und die Braunen aus der Stadt vertrieben. Umziehen ? Auch keine Alternative – dachte ich mir so.

Dann haben wir uns in Position gebracht und die Flyer zur Lesenacht verteilt. Mit jedem Flyer ging es mir besser, denn sie zauberten ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen. Hatten sie doch eben noch den braunen Dreck in die Hand gedrückt bekommen, bekamen sie von uns dann tatsächlich die Alternative. Sprüche wie: „Endlich etwas Anspruchsvolles“, „Schön, dass Ihr da seid“, „Tolle Aktion“ usw. machten mir Mut. Dann nahm ich mir die Zeit und schaute mir den Flyer noch einmal genau an. Er schließt mit den Worten: Wir würden uns freuen, wenn Sie Lust hätten die Nacht mit uns eine Weile zu verbringen und die Erinnerung an diesen schrecklichen Akt unserer Geschichte wach halten. Denn den Wachsamen gehört die Zukunft.   

Das passte wie A…. auf Eimer zum heutigen Tag und war wirklich Kontrastprogramm zum Mist der AFD. Auf dem Rückweg war dann auch schon die Hälfte der AFD Plakate an der Möllner Landstraße entsorgt oder hing zerrissen an den Laternen. Glinde ist eben doch bunt – dachte ich mir so. Also bitte schön wachsam bleiben und nicht den Sprüchen und Parolen von gestern auf den Leim gehen.



21.03.2014
Kontrastreicher konnte der Tag kaum sein.
Nachdem der Regen nachließ kämpfte sich Storch Heinar tapfer durch Pfützen am Glinder Berg.
Unter tosendem Applaus gab es Lieder, die von Hirnweh und der Sehnsucht nach gutem Geschmack erzählten.
 
Es folgte eine ergreifende Kranzniederlegung, ja, es muß auch mal eine Zeit der inneren Einkehr geben.
Die erfolgreichen Fänger der mitgebrachten Mode freuen sich ganz besonders auf besseres Wetter, um ihre Jagdtrophäen auch ohne dicken Pulli drüber der Öffentlichkeit präsentieren zu können.
Es war ein harter Kampf um die Shirts, aber mit fairen Mitteln.
 
Anschließend ging es in die Spinosa.
Das Parteienbündnis rief zum Beats gegen rechts Konzert.
Bei Bier und guter Laune startete die erste Combo: One Step ahead, Musik zwischen HipHop und Rap.
Ein Haufen Leute (man munkelt etwa 9) standen auf der Bühne und haben genau das erfüllt, was sie sich selber vornahmen: Gute kritische Musik, Zusammenhalt, Spaß und eine schöne Zeit für sie und alle Anwesenden. Und das ist wirklich gelungen.
Das war große Klasse!
Als nächstes wurde es laut. Einige Zuschauer entschieden sich dafür, diesem Gig eher von draußen zu zu hören. Doch auch da war der Sound sicher noch überzeugend, denn auch ReaVers hielten was sie versprachen: TrashMetal at it's best! Man kann seine Botschaft auch laut in die Welt bringen und das ReaVers eine hat, ließ sich für die, die den Texten nicht folgen konnten doch an den Zwischenansagen heraus hören. Toll, dass Ihr da ward!

 


Erlebnisbericht 16.03.2014
Ganz weit weg !

Zur Halbzeit der Internationalen Wochen gegen Rassismus lädt uns die Moschee zum Interkulturellen Frühstück. Austausch der Kulturen bei Tee, Salat, Käse und ganz vielen leckeren Dingen. Die Moschee ist voll und die Gäste sind begeistert von der Idee und der Herzlichkeit der Islamischen Gemeinde Glinde. Das Kaminfeuer prasselt und Arif begrüßt die Gäste. Gäste hatten wir doch schon einmal in der Moschee erlebt, dachte ich mir. Gäste Glindes, 12 Flüchtlinge aus Afrika, die ihren Weg über Lampedusa nach Glinde fanden. Das Thema ist irgendwie aus den Köpfen aus dem Sinn. Es ist aus den Tageszeitungen verschwunden und auch in Glinde schon ganz weit weg.

Weit weg, sind auch die meisten Gäste Glindes. Ihnen wurde keine Perspektive gegeben in unserer Stadt, sie wurden wieder zurück nach Italien geschickt, obwohl sie doch so viel Hoffnung in uns gesetzt hatten. Aus den Augen aus dem Sinn. Sind wir mal ehrlich. Ja, so ist es ! Dann zeigen wir den Film „Von Afrika nach Glinde“, ein rührender und stiller Film über die Flucht der Gäste Glindes.

Es ist ganz still geworden und der Film geht unter die Haut. Wahnsinnig unter die Haut. Abu erzählt darin von seinen Erlebnissen in Lybien, dem Krieg, der Vertreibung durch den Krieg, der Flucht auf dem Schiff, den vielen Toten, dem Leben auf der Straße und der Gastfreundschaft der Islamischen Gemeinde in Glinde. Den Menschen, die die Lampedusa Flüchtlinge von der Straße holten. Da war es wieder, dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Traurigkeit. Ganz weit weg, sind seine Freunde, seine Familie, sein Leben. Und doch ist er geblieben. Er setzt weiter seine Hoffnung in uns. Der Raum ist erfüllt von Stille und Gefühl. Abu bricht in Tränen aus und dankt den Menschen in Glinde aus tiefstem Herzen. Für ihre Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Alle im Raum schlucken ihre Tränen weg und haben glasige Augen. Ganz weit weg sind da Taschentücher und großen Worte, es ist ein Moment der Stille und Hilflosigkeit. Hilflosigkeit gegenüber der knallharten Flüchtlingspolitik in unserem Land. Hilflosigkeit gegenüber den Menschen, die die Flüchtlinge nicht willkommen heißen. Hilflosigkeit gegenüber der Masse, die lieber wegschaut als zu handeln. Und doch keimt Hoffnung in mir auf, denn Aktionen wie diese sind so bereichernd und anregend für eine Völkerverständigung und Akzeptanz der unterschiedlichen Kulturen. Arif ruft zum Gebet und lädt uns zur Teilnahme ein. So soll es sein, der Tag wühlt alle Beteiligten auf und das Interkulturelle Frühstück, das Gesehene und die Gespräche bestimmen meinen ganzen Tag. Aus ganz weit weg wird ganz nah dran ! Ich danke Euch für diesen tollen Tag in der Moschee und in mir.
 



   

Erlebnisbericht 12.03.2014 „Arsch hoch gegen Rechts“

Es ist ja so schwierig seinen Arsch hoch zu bekommen, wenn       einem die Frühlingssonne auf den Bauch scheint, dachte ich mir. Es ist ja so schön bequem die anderen machen zu lassen und in   Gedanken bei ihnen zu sein. Was soll es, sollen die doch mal machen – bringt ja irgendwie doch nix. Es ist gerade so schön gemütlich auf meinem Sofa. Die Sonne scheint herrlich und in der Nacht haben sie wieder Nachtfrost angesagt, also echt zu kalt um mit dem Fahrrad zum Veranstaltungsort zu fahren. Mit dem Auto wäre ja eine Möglichkeit, aber bei den Preisen. Ach nee, dachte ich mir ! Und die Pizza ist ja auch noch im Ofen. Muss reichen, wenn ich in Gedanken dabei bin. Oder ? Hatte mir die Veranstaltung ja auf der Homepage angeschaut. Codes & Symbole des Rechtsextremismus, interessant, dachte ich mir. Schreibe ich mir in den Kalender, damit ich es nicht vergesse und dabei sein kann. Am Morgen dachte ich noch daran – die machen das immer so interessant und ist sicher ein guter Vortrag, hatte ich der Tageszeitung entnommen. Start in die Internationalen Wochen gegen Rassismus, bin ja kein Rassist, dachte ich mir
noch so.                                                                                               
Nun nur noch schnell den Arsch hoch bekommen. Doch die Sonne brannte so und die Pizza drohte zu verbrennen. Ich hatte die Veranstaltung ja auf Facebook, Homepage, Twitter, WhatsApp und auf allen Kanälen geteilt, geliket und gepostet. Ruck zuck bin ich dabei und alle können sehen, was ich doch für ein knallharter Antifaschist bin. Muss ja eigentlich reichen, dachte ich mir so und schaute in die Abendsonne. Jetzt noch ein Gläschen Rotwein und der Abend ist perfekt. Wann war die Veranstaltung noch ? 19°° Uhr, was für eine blöde Zeit, hatte ich doch gleich gedacht. Jetzt könnte ich es nur noch mit dem Auto schaffen. Bei den Preisen ? Hatte ich ja schon. Pizza fertig! Lecker. Wein leer! Lecker. Jetzt die Abendnachrichten und der perfekte Abend kann beginnen. 

Wie jetzt ? Flüchtlingsheim in Bayern abgebrannt, Nationalisten marschieren auf der Krim, weiteres Opfer der NSU Morde entdeckt, Marx wird Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, mir blieb das letzte Stück Pizza im Halse stecken – hätte ich doch bloß meinen Arsch hoch bekommen. Dann hätte ich mir das nicht alles ansehen müssen. Heute ist nicht alle Tage, ich stehe auf - keine Frage. Mit einem versöhnlichen Blick auf das Restprogramm der Glinder Aktionswochen ging ich schlafen. Ich kriege meinen Arsch schon noch hoch, dachte ich mir so. Versprochen !







12.03.2014
Codes und Symbole der extremen Rechten
Einem engagierten Vortrag heute im Schulforum folgte eine lebhafte Diskussion über die Bedeutung von Mode in der rechten Szene.
In den vergangenen 15 Jahren hat sich viel getan in der Szene und das Erkennen von Neonazis wird immer schwieriger durch das Vermischen von verschiedenen Jugendkulturbewegungen.
So ist es heute, vor einigen Jahren noch vollkommen undenkbar, zum Beispiel durchaus möglich auch als Neonazi HipHopper zu sein. Ein Infragestellen des Kapitalismus, ursprünglich Revier der eher linksorientierten Szene ebenso wie das Propagieren einer veganen Lebensweise steht nicht mehr im Gegensatz zu einer rechtsextremen Ideologie.
Erschreckend, der rechte Lifestyle ist in der Mitte angekommen und kommt er anfangs noch unpolitisch um die Ecke, zeigt er sich alsbald doch als genau das, was er ist. Ein Grundstock der Menschenverachtung, Diskriminierung und Nährboden für Rassismus und Ausgrenzung,
Thor Steinar bewegt sich mittlerweile sicher in einer Grauzone, dennoch gilt:
"Wenngleich die TrägerInnen von Thor-Steinar-Kleidung nicht pauschal als Neonazis gesehen werden dürfen, so ist Thor Steinar doch das Symbol für einen »rechten Chic« und somit eine Positions- und Identitätsbestimmung seiner NutzerInnen." (Zitat: Das Versteckspiel - www.dasversteckspiel.de)

 



6.03.2014
Erinnert Euch - vergesst niemals
In Gedenken an die Leiden der Zwangsarbeiter von Wiesenfeld wurde heute im Beisein von annähernd 200 Menschen die Stolperschwelle verlegt.
In einem sehr würdigen Rahmen präsentierten Schüler des 12. Jahrganges der GemS Wiesenfeld Projekte mit dem Thema Arbeitslager Wiesenfeld, an denen sie mit großem Engagement seit Anfang des Jahres arbeiteten.So gab es eine Gegenüberstellung des Lager"lebens" zur aktuellen Lebenssituation neben dem Vortrag eines Gedichtes von Dietrich Bonhoeffer, Schautafeln, ein Videoprojekt und eine Führung über das Gelände des ursprünglichen Lagers. Ebenso entstand in Projektarbeit ein Wegweiser zum Arbeitslager, das seinen Platz auf dem Schulhof finden wird.
Dr. Walczok sorgte in seiner Rede für geschichtliches Hintergrundwissen.
Ganz besonders berührend war die Anwesenheit der Enkeltochter eines damaligen Zwangsarbeiters.
Wir danken allen Anwesenden und helfenden Händen für das Gelingen des Festaktes.
Ein großes Dankeschön an die Glinder Bevölkerung, die das Verlegen der Stolperschwelle möglich machte und der IG Stolperschwelle in den vergangenen Monaten soviel Unterstützung entgegenbrachte.
Erinnern wir uns - vergessen wir niemals!


 

02.03.2014
Das, was bleibt
Am 6.03.2014 ist es nun soweit: den Zwangsarbeiter von Wiesenfeld wird ein Ort der Erinnerung zuteil, es ist so wichtig und längst überfällig. Eine Würdigung der Menschen, die Glinde vom Dorf zur Stadt werden ließen, unter Einsatz ihres Lebens, zwangsweise.
Ein berührender Moment, bewegend und bleibend. Als Symbol des Erinnerns, des Mahnens und des niemals Vergessens.
 
Und doch marschieren sie wieder, auch sie im Namen des Erinnerns. Eine Erinnerung, die aus Revision der Geschichte, Verleugnung des Schreckens und Glorifizierung von Gräueltaten besteht.
Am 8.März 2014 in Dessau zum "Trauermarsch" zum Beispiel, damit nicht genug, abends gibt es gleich die nächste angemeldete Demo unter dem Motto "Asylflut stoppen". Oder auch am 14.März 2014 in Weyhe anlässlich des Todestages von Daniel S., den Neonazis immer wieder für politische Zwecke mißbrauchen.
 
Seien wir wachsam, schauen wir hin, stehen wir auf.
Orte der Erinnerung sind wichtig, denn das ist das, was bleibt.

 


22.02.2014
Mit 100 Dezibel ins Wochenende.
Statt Räumung Ska vom Feinsten am Glinder Berg.
Bei Pizza Funghi und beinah-Frühling brachten heute die "Shrooms" den Berg zum Beben!

Danke an alle Beteiligten!



18.01.2014
Neujahrsempfang am Glinder Berg
Pünktlich um 12.30 Uhr begann die Sonne zu scheinen und begrüßte annähernd hundert Menschen am Glinder Berg. 
Bei Würstchen (ein herzliches Danke schön an die Glinder Moschee), Sekt und Glühwein gab es einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf das kommende.
Die musikalische Untermalung übernahm die Gitarrengruppe "Einklang", vielen Dank dafür, das war toll!

Klar ist, es gibt noch viel zu tun und auch wenn wir unser primäres Ziel - die Schließung des Ladens - bislang noch nicht erreicht haben, so ist  in dieser Stadt bereits vieles auf den Weg gebracht und so einiges wird noch geschehen.
Bleiben wir gespannt.

 



12.01.2014
Neujahrsempfang der Stadt

Mit eher gemischten Gefühlen brach ich um 10:00 Uhr auf zum Neujahrsempfang der Stadt Glinde. Wir hatten uns vorgenommen noch ein paar Flyer für den Neujahrsempfang der BI unter die Leute zu bringen. Die Menschen rissen uns die Flyer aus den Händen und das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, der Saal war voll und alle warteten erwartungsfroh auf den Jahresrückblick vom Bürgermeister. Anhand von Fotos führte Herr Zug durch das vergangene Jahr und blickte kritisch auf 2013 zurück. Ein Foto zeigte die Podiumsdiskussion zum Thema Netzwerke des Rechtsextremismus im März. Er huldigte Leana mit den grünen Haaren und schwärmte in höchsten Tönen von dem Engagement gegen den Thor Steinar Laden. Er forderte mehr solcher Menschen in dieser Stadt. Hatte ich mich da verhört ? Nein. Zwei Fotos weiter kam ein Bild von Mitgliedern der BI mit dem Landtagspräsidenten Herrn Schlie am Glinder Berg. Herr Zug berichtete begeistert von den zahlreichen Auszeichnungen und Preisen der BI im letzten Jahr und tosender Beifall bestimmte das Geschehen im Saal. Hatte ich mich da verhört ? Nein. Kritisch schaute ich noch einmal auf den Flyer, nein unser Neujahrsempfang ist tatsächlich erst am nächsten Samstag. Jetzt kamen gleich 3 Fotos vom Kicken gegen Rechts im Juni und Herr Zug schwärmte von der tollen Veranstaltung und der erfolgreichen Kooperation zwischen dem TSV Glinde und der Bürgerinitiative. Er stellte die Teilnehmer vom FC Landtag namentlich vor und strahlte wie ein Königspudel. Wieder tosender Beifall im Saal. So könnte es jetzt weiter gehen dachte ich mir und ich malte mir schon aus, welche Aktion der BI als nächstes an die Wand geworfen wird. Wären wir ein Verein hätte ich zu diesem Zeitpunkt die Beitrittsformulare gezückt und wahrscheinlich massenhaft neue Mitglieder geworben.

Ein paar Fotos weiter kam dann ein Foto vom Togohof. So in „vorher/nachher Brigitte-Manier“ und er lobte die Stadt und Verwaltung für das spontane Engagement für die Lampedusa-Flüchtlinge. Jedoch wundere er sich, dass die meisten Flüchtlinge Glinde wieder verlassen hätten. Da war dann Stille im Bürgersaal. Falsches Thema ? Falsche Botschaft ? Schlechtes Gewissen ? Irgendwie war das nicht so richtig rüber gekommen. Oder ?

Eine Lösung musste her ! Jetzt huldigte er „Mama Afrika“, die sich enorm für die Flüchtlinge und Obdachlosen in Glinde einsetzt. Sich um die medizinische Versorgung, Integration, Sprachunterricht usw. kümmert. Und wieder tosender Beifall im Saal. Geht doch, dachte ich mir und verlies beschwingt durch Sekt und Beifall den Neujahrsempfang 2014. Das wird ein richtig tolles Protestjahr 2014 in Glinde.        



„Glockengeläut“ in Glinde

Als ich neulich im Garten unsere Trauerweide um ein paar abgestorbene Äste befreien musste war es ganz deutlich zu hören. Glockengeläut. Ich schaute auf die Uhr, 17°° Uhr, was für ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für eine Hochzeit oder Trauerfeier dachte ich mir. Glockengeläut. Und es hörte nicht auf. Nach getaner Gartenarbeit gönnte ich mir mein Feierabendbier und da war es schon wieder. Glockengeläut. Inzwischen war es 19°° Uhr, und erneut dachte ich mir – was für ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Dann viel es mir wie Schuppen von den Augen, denn ich hatte die tägliche Mahnwache vergessen. Ich hatte diese tolle Aktion der Glinder Kirchen schon total verdrängt. Die läuten jeden Tag die Mahnwache vor dem Thor Steinar Laden ein und beenden sie auch mit ihrem Glockengeläut. Seit über 2 Jahren tägliches Glockengeläut als Zeichen der Mahnung und Erinnerung an diesen Schandfleck in unserer Stadt. Seit über 2 Jahren „Laut gegen Nazis“ auf eine ganz besondere Art und Weise. Alle Menschen können es hören, spüren und nicht vergessen. Glockengeläut. Täglich ein unüberhörbares Zeichen gegen Menschenverachtung und Fremdenfeindlichkeit. Wie konnte ich das nur vergessen. Glockengeläut - ich danke Dir.



24.12.2013

Hoher Besuch – Weihnachtsmann berichtet von seinem Besuch im Togohof

Für mich als Weihnachtsmann ist es selbstverständlich, dass ich Krankenhäuser, Senioren- und Behindertenstätte, Kindergärten, Obdachlosenunterkünfte besuche. Bei der Auswahl der zu besuchenden Obdachlosenunterkunft fiel dieses Jahr meine Wahl auf den Togohof in Glinde, einem beschaulichem Städtchen am östlichen Rand der Millionenmetropole Hamburg. Ja, auch hier gibt es Obdachlose, und mir ist zu Ohren gekommen, dass dort dieses Jahr so einiges im Argen lag bzw. noch liegen soll; also machte ich mich auf, um mir selbst ein Bild vor Ort zu verschaffen. Ein sonores HoHoHoo genügte und mir öffnete eine freundliche Dame die schwere, hölzerne Eingangstür zur Obdachlosenunterkunft. Ich stellte mich kurz vor und ich durfte eintreten. Sodann wurde ich in eine liebevoll, weihnachtlich dekorierte Stube geführt.  Die Bewohner des Togohofs, nicht alle, aber doch einige, saßen an einem großen Tisch mit einer Handvoll Glinder Bürger, welche die Obdachlosen zu einem Weihnachtsfrühstück eingeladen hatten. Alle waren bester Laune und die festliche Stimmung wollte ich nur ungern stören, aber ich wollte natürlich auch aus erster Hand erfahren, was denn in diesem Jahr so alles los war, im Togohof. So tastete ich mich sprachlich langsam heran und ich erfuhr dann, dass das gesamte Gebäude der Unterkunft doch ziemlich heruntergekommen sei, stammt ja auch schon aus dem vorletzten Jahrhundert. Nicht nur Wände, Flure, Türen, Treppenhaus, Küche, sanitäre Einrichtungen seien in einem katastrophalen Zustand, nein auch die hygienischen Zustände seien unzumutbar. Nachvollziehen konnte ich das alles nicht, saß ich doch in meinem schweren Mantel in einer sauberen, warmen Stube. Auch die Küche und die Dusche machten einen akzeptablen Eindruck, und die Wände und Decken waren mit weißer Farbe frisch gestrichen. Also fragte ich nach und erfuhr dann, dass bis vor ein paar Wochen es hier, und zwar hier im Erdgeschoss, wo wir uns befanden, noch ganz anders ausgeschaut hatte, nämlich alles total verdreckt, mit ekelerregender Küche und sanitären Einrichtungen, selbst Ratten und Mäuse hätten die Unterkunft heimgesucht. Mich schauderte es bei diesen Schilderungen. Man zeigte mir aber auch Fotos, die Anfang September gemacht wurden, und mir war klar, wovon hier die Rede war. Ich legte instinktiv mein lecker belegtes Brötchen weg und der Duft des warmen Kaffees war für mich nicht mehr wahrnehmbar; der Appetit war mir schlagartig  vergangen. OK dachte ich, das war gestern und heute sieht es ja manierlich aus, was soll man in der Vergangenheit rumkramen, wenn man in der Gegenwart lebt. Ich erfuhr dann weiter, dass der jetzige akzeptable Zustand nur nach heftigem Ringen einer Bürgerinitiative mit dem Betreiber der Obdachlosenunterkunft, der Stadt Glinde, erreicht wurde. Diese Bürgerinitiative, „die Bürgerinitiative Glinde gegen recht – für Toleranz und Menschlichkeit“, musste erst über die Öffentlichkeit (Presse) gehen und den zuständigen Landrat informieren, bevor sich etwas im Togohof zum Besseren wendete, Hut, oder besser, Mitra ab.  Die Räume, Flure, Toiletten und sanitären Einrichtungen im ersten Obergeschoss des Togohofs aber, sind nach wie vor in einem üblen Zustand. Der Aktionismus hatte leider nur für das Erdgeschoss gereicht; Leidtragende sind die Bewohner des 1. Obergeschosses, wovon ich mich persönlich überzeugen konnte. Vielleicht ist ja was dran, an den Bekundungen der Verantwortlichen der Stadt Glinde, dass im nächsten Jahr, und bis dahin sind es ja zum Glück nur noch ein paar Tage, auch das erste Obergeschoss angehübscht werden soll. Mal sehn, ich werde mir das im nächsten Jahr ganz bestimmt noch einmal anschauen. Mit Sorge habe ich dann aber noch Äußerungen, die von einem Herrn Mahns stammen sollen, vernommen. Herr Mahns sei Führungskraft und  Amtsleiter der Stadt Glinde und soll sich dahin gehend öffentlich geäußert haben, dass die Obdachlosen im Togohof oft nicht in der Lage seien, die einfachsten hygienischen Regeln zu befolgen, und dass tägliches Waschen, die Kleidung in Ordnung halten, ja selbst das Abspülen nach dem Toilettengang nicht die Regel sei. Ich konnte das nicht glauben, denn als Weihnachtsmann glaubt man ja immer an das Gute im Menschen und nicht an solch diffamierende Dinge, die geeignet sind bestimmte Menschen auszugrenzen und  in ihrer Würde zu verletzen. Ich wurde aber eines Besseren belehrt, und man zeigte mir einen Artikel aus der örtlichen Glinder Zeitung vom 5. November, wo alles schwarz auf weiß zu lesen war. Da blieb mir doch glatt das HoHoHo im Halse stecken, da solche Äußerungen nicht nur geeignet sind die Bewohner im Togohof zu verletzen, sondern auch noch niedrige Gefühle rechter Gruppierungen zu bedienen und Vorurteile gegenüber Obdachlosen aufzubauen bzw. zu bestätigen.  Das war harter Tobak am heiligen Abend, und so etwas möchte ich bei meinem nächsten Besuch im neuen Jahr ganz bestimmt nicht mehr zugetragen bekommen. Als Weihnachtsmann bin ich aber optimistisch gestimmt und hoffe, dass solche Aussagen, mögen sie auch unbedacht oder fahrlässig geäußert worden sein, nicht mehr zu vernehmen sind. Kurz vor meiner Weiterreise wurde ich noch beim Weihnachtsfrühstück gefragt, was ich mir denn so für das neue Jahr wünschen würde. Noch mit dem gerade Vernommenen in Gedanken, fiel mir die Antwort sehr leicht und ich wünschte mir mehr Frieden und Wohlgefallen und vor allem mehr Menschlichkeit und Toleranz im Umgang mit Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, die keine Lobby haben und aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage sind, sich für ihr eigene Belangen einzusetzen.
 


23.12.2013
Weihnachtssingen am Glinder Berg
"Komm doch auch zur Glinder BI,
in der Hamburger Peripherie..."
Bei Punsch und Keksen stimmungsvoll in die Weihnachtszeit!
Vielen Dank für die so liebevoll umgestalteten Texte bekannter Weihnachtslieder.
Für alle Interessierten: Texte erhalten Sie gern auf Anfrage




07.12.2013
Ein kurzer Erlebnisbericht zum Konzert am Berg und so

 
Ich war immer noch total aufgewühlt von der Berichterstattung über die Flüchtlinge in Glinde. Da hatte sich die Lokalpresse doch wohl in der Wortwahl kräftig vergriffen. Bergedorfer Zeitung und Hamburger Abendblatt meinten in Ihren Schlagzeilen "Glinder Flüchtlinge untergetaucht" - in mir zog sich alles zusammen. Was für eine Schlagzeile bei solch einem Drama.
Im Zusammenhang mit Flüchtlingen von Untertauchen zu sprechen weckt unangenehme Assoziationen, gerade in Hinblick auf die Geschehnisse im Mittelmeer vor Lampedusa.
Die Flüchtlinge haben Glinde verlassen, weil es uns trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist ihnen Sicherheit und Zukunftsperspektiven in unserem Land zu bieten. Sie haben sich daher für eine weitere Flucht entschieden und sind keineswegs untergetaucht. Untertauchen ist etwas, das Schwerverbrecher tun oder Steuerbetrüger - aber niemals Menschen in Notlagen.
 
Dann spielte die Gruppe Gutzeit aus Hamburg auf und unterhielt die Mahnwache bestens, Glühwein und Gasstrahler zauberten allen Beteiligten ein Lächeln ins Gesicht und die Kundschaft vom Thor Steinar Laden wurde kräftig eingeheizt. Plötzlich kommt ein Glinder Bürger auf mich zu und fragt: "Wo sind denn eure 12 Negerlein geblieben ? Die haben euch ja wohl mächtig verarscht !"
Mir blieb die Spucke weg und ich musste es einfach raus lassen: "Hau bloß ab Du Arsch !"
Einige Momente später war mir wieder klar, wie wichtig und richtig es ist Rückgrat zu zeigen und aufzustehen gegen eine Welt mit Menschenverachtung und Fremdenfeindlichkeit. Glinde bleibt bunt. Basta! 


18.09.2013

 2. internationales Schachturnier gegen rechts

Zwei Jahre Tonsberg sind genug. Daher veranstalteten wir im Rahmen unserer Aktionswoche auch ein friedfertiges, internationales Schachturnier. Wir machten uns direkt gegenüber dem Tonsberg-Laden breit, bauten auf was wir hatten: u.a. Zelt, Stühle, Bänke, Tische, Transparente und unsere Nazikleiderentsorgungsstation, um zu zeigen:

Der öffentliche Raum gehört nicht den Nazis! 

An den Brettern wurde bunt gespielt, geklönt und alles nicht so ernst genommen. Hin und wieder wurde auch von der Trillerpfeife und der Vuvuzela Gebrauch gemacht, um unseren Unmut über die hinein- und herausgehenden Kunden des Naziladens zu zeigen. Das Schachturnier hatte nur Sieger, nämlich: alle die sich aufgemacht haben, um vor dem Naziladen durch ihren lautstarken Protest ihren Unwillen gegen Tonsberg zu bezeugen. Die Schachpartien spielten dabei nur eine Nebenrolle, aber selbst da gab es keine Verlierer, da das Endspiel remis endete. 



16.09.2013
Eröffnung der Entsorgungsstation in Glinde


Genau 2 Jahre nach der Eröffnung des Thor Steinar Ladens in Glinde wurde heute die bundesweit erste Entsorgungsstation für Nazikleidung und -utensilien direkt vor dem Laden eröffnet.
Irgendwie muß der Dreck weg, dachten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative und setzten die Idee in die Tat um.
Tonne besorgt, Wechselshirts von "Storch Heinar" und "Laut gegen Nazis" geholt und los ging's.

Mitglieder der Moschee und ihre Gäste sorgten für lecker Futter und die Sonne strahlte mit den Anwesenden um die Wette. Das Einzige, was fehlte waren rechte Socken, die ihre Sachen in der Tonne vernichten wollten.
Dann kam ein Kunde in kompletten Thor Steinar Outfit aus dem Laden und alle horchten auf. Jetzt geht's los, dachten wir da noch.
Aber nein, der Vollpfosten hatte bloß Hunger und wollte nur eine Rindswurst mit Salat erhaschen. Wir schauten uns perplex um und getreu dem Motto: "Toleranz ist, wenn man trotzdem nett ist" reichte ihm Mustafa eine Wurst.
Auch eine intensive Diskussion mit Mitgliedern der Bürgerinitiative konnte den Kunden nicht überzeugen, seine Kleidung in die Tonne zu hauen.
Er bedankte sich freundlich und ging seines Weges.

Kurze Zeit später kamen zwei Kunden aus dem Laden und grüßten die Protestler mit dem Hitlergruß. Also auf zur Polizei, Anzeige erstatten. Eine ähnliche Aktion brachte der Staatskasse im letzten Jahr 1.500,--€ und dem Neonazi eine Vorstrafe.

Der Tag hat wieder eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist vor dem Laden Flagge zu zeigen und den Protest gegen diesen Schandfleck in unserer Stadt fortzuführen.
Wir freuen uns schon auf die nächsten 2 Jahre.



Start in die Aktionswoche
14.09.2013
2 Jahre Tonsberg - mehr als genug


Man gewöhnt sich an vieles - schlechtes Essen, schlechtes Wetter, schlechte Laune...
Am 16.09.2011 öffnete Tonsberg das erste Mal seine Türen hier in Glinde und wir gewöhnen uns einfach nicht daran.
Im Gegenteil, noch immer stehen wir da rum.
Manchmal mit 20 Leuten und manchmal eben, so wie heute mit 200.
Manchmal leise und manchmal eben, so wie heute auch laut.
Manchmal allein unter BürgerInnen und manchmal auch, so wie heute mit Politikern, die parteiübergreifend den Schulterschluß üben, wenn es um Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft geht.
So oder so, wir gewöhnen uns nicht dran wegzuschauen, nicht wahr zu nehmen und den Mund zu halten.
Wir werden weiter aufmerksam machen, uns weiter einmischen, weiter für ein Miteinander antreten.
Besser, man gewöhnt sich dran.

Cover: La Vita Continua; http://www.microphone-mafia.com



Fastenbrechen am 26.07.2013

Gänsehaut pur !

Am Freitag waren das Parteienbündnis Glinde und die Mitglieder der BI von der Islamischen Gemeinde Glinde zum Fastenbrechen eingeladen. Die Moschee wollte sich damit für die Unterstützung der Flüchtlinge bedanken. Als wir ankamen war der Garten bunt geschmückt und die Tische bereits liebevoll eingedeckt. Ein reichhaltiges Buffet wurde geboten und alle warteten auf den Sonnenuntergang. Es herrschte eine gelöste Stimmung und Mustafa war so stolz, dass die Menschen ihrer Einladung gefolgt waren. Nach dem Essen hielt einer der Flüchtlinge eine bewegende Rede über ihr Leben auf der Straße und ihrer Aufnahme in Glinde. Auch hier wieder ein herzliches und warmes Dankeschön. Ich bekam eine Gänsehaut, weil ich die Notwendigkeit der Dankbarkeit eigentlich bei uns sah. Der Abend war eine echte Bereicherung und der Erfahrungsaustausch wird noch lange in meinem Herzen bleiben. Nach dem Essen führte uns Mustafa durch die Räume der Moschee und erläuterte die Regeln und Rituale ihres Glaubens. Als wir in den Keller kamen sagte er: „Und hier leben unsere Gäste“. Ich war vom Donner gerührt. Was für eine respektvolle Bezeichnung für die Menschen aus Afrika, die dort für eine Weile eine Heimat gefunden haben. Wir bezeichnen sie als „Flüchtlinge“ und die Helferinnen und Helfer der Moschee sie als „Gäste“. Da entwickelte sich bei mir ein Gedankenspiel, wie prägend und erstaunlich gut Worte unser Handeln beeinflussen. Gästen gegenüber ist man gastfreundlich. Ich danke der Islamischen Gemeinde Glinde für die gelebte Gastfreundschaft. 



1.06.2013
Was für ein Tag - lang, laut, sportlich, fröhlich, nicht so sonnig, aber trocken.
Beim heutigen "Kicken gegen Rechts"-Turnier gingen alle als Sieger nach Hause!
Ein großes Dankeschön an den TSV Glinde, an die Feuerwehr Glinde, an Nomi & Mac, an das Theoter ut de Möhl, an alle mitwirkenden Mannschaften, alle Bäcker, Auf- und Abbauer, alle ausschenkenden und grillenden und natürlich an die Organisatoren, die sich mal wieder selbst überboten haben!


19.01.2013
Erlebnisbericht Neujahrsempfang 2013

 

Damit hatte ich nun nicht gerechtet, denn bei eiskalten Temperaturen und  noch kälterem Wind machten sich ca. 120 Glinderinnen und Glinder auf den Weg zum Glinder Berg. Sie wollten der Bürgerinitiative und der Mahnwache ihre Solidarität bekunden.  Grillwurst, Glühwein, Sekt und handgemachte Musik der Gruppe NOY brachten das Eis zum Schmelzen und es wurden Pläne für das Jahr 2013 geschmiedet.  Als gleichzeitig die Einladungen für die Empfänge 2014 und 2015 ausgesprochen wurden, wurde mir wieder einmal klar, dass da noch ein langer Weg vor uns liegt.


Doch es wurde auch wieder einmal deutlich, wie groß und hervorragend die Unterstützung in der Zivilgesellschaft ist. Eigentlich müssen wir dem Vermieter dankbar sein, dass er Glinde als Standort gewählt hat. Würden wir sonst seit 410 Tagen vor einem Laden stehen und das Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in den Fokus rücken ? Wäre Glinde aufgewacht als es von den NSU Morden erfuhr ? Nein !

Der braune Laden hat unsere Stadt verändert und die Menschen ebenfalls. Er hat wichtige Themen in die gesellschaftliche Diskussion gerückt. Es geht hier schon lange nicht mehr um ein paar Klamotten – um die selbst anständige Motten einen großen Bogen machen. Es geht um uns, unsere Stadt und eine solidarisch denkende und handelnde Gesellschaft. Dieser sind wir mit dem Neujahrsempfang wieder ein Stück näher gekommen. Insofern ein großes „Dankeschön“ an Thor Steinar für die Standortwahl und auf ein erfolgreiches 2013. Ihr werdet uns weiterhin aufstehen lassen.




21.12.2012
Die Kunst des Widerstandes

So kurz vor Weihnachten gibt es doch tatsächlich Menschen, die mit wenig Liebe dem friedlichen Protest entgegentreten.
Da wird um Zentimeter gefeilscht, als Platzhirsch aufgetreten, es wird juristisch gedroht und selbst bunte Pollerüberzieher gelten als geschäftsschädigend.
Nun gut, wir werden uns nicht um 50 Zentimeter streiten, dann wird das Zelt halt etwas schmaler und nach hinten gerückt.
Die Strickstrümpfe vertreiben die Kunden? Schön wär's, nur ist es nicht so und deshalb fällt uns dieser Abschied nicht so schwer.

Es kommen andere Dinge, genauso bunt, voller Leben und positiv.
Und falls es der eine oder andere vergessen haben sollte für was wir dort stehen, hier nun noch einmal:
Wir stehen für ein Miteinander, für Respekt und Toleranz und das gilt auch für Menschen, die dem Steine in den Weg legen.
Fröhliche Weihnachten!





Leserbrief

Candle-Light- Shopping in Glinde am 9.November 2012

 

 

Mit Befremden musste ich auf den Ankündigungstafel, die an jeder Ortseinfahrt nach Glinde stehen, lesen, dass es am 9. November ein Candle-Light-Shopping stattfindet.

Da muss man sich doch fragen, wer dieses „event“ organisiert hat? Wer hat denn da im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst?

Sicherlich kann ein ganz Schlauer nun einwenden, dass man sich nicht so haben solle.

Der 9. November ist doch der Tag, an dem die Weimarer Republik von Philipp Scheidemann ausgerufen wurde. Der war immerhin Sozialdemokrat! – Ja, kann man feiern.

Wichtiger ist jedoch, dass am 9. November der eigentliche Tag der Wiedervereinigung ist. Darüber freuen wir uns alle! – Ja, kann man feiern! Da kann man ruhig ein paar Kerzen anzünden und einkaufen gehen.

Warum aber feiern wir den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober?

Wer das Candle-Light-Shopping auf den 9. November gelegt hat, vergaß sicherlich den schwerwiegendsten Grund. Der 9. November ist der Tag der Juden-Pogrome im „III. Reich. Ein Tag, an dem in ganz Deutschland die Synagogen und noch manches andere in Flammen aufgegangen sind. Da will die Gewerbevereinigung Glinde also Kerzen anzünden und zum Einkaufen animieren?

Ist es nur Vergesslichkeit, gefährliches Halbwissen oder Unsensibilität. Glinde ist ein Ort, in dem ein Geschäft existiert, dessen Waren in der rechtsextremen Szene beliebt sind. Da bekommt man moralisch ein mulmiges Gefühl, wenn das historische Bewusstsein auf dem Altar des Konsums geopfert wird.

Ein wenig mehr Einfühlungsvermögen und bei der Planung auf den Kalender schauen, dann kommt man nicht in peinliche Situationen. Ein Candle-Light-Shopping am Tag der Juden-Pogrome ist so eine Peinlichkeit! – Nein, kann man nicht feiern!

 

J. R.




8.11.2012
Nun gut, jetzt ist es amtlich: die Räumungsklage ist gescheitert.
Der Mietvertrag läuft bis 2015, erst dann greift die ordentliche Kündigung.
Aber schaut man mal auf das heutige Datum, stellt man fest: 2012 ist so gut wie vorbei. Bleiben 2013,2014 und Teile von 2015 - nicht einfach, aber machbar.
Wir stellen uns!



29.10.2012 Codes und Symbole des Rechtsextremismus
 

Auf einer gemeinsamen Veranstaltung von der Bürgerinitiative und dem MBT Hamburg konnte man gestern schlauer werden.
Viele Glinderinnen und Glinder fanden den Weg in den Gemeindesaal der St. Johannes Kirche und lauschten dem Vortrag eines Spezialisten zum Thema Codes und Symbole des Rechtsextremismus.

Zuvor stellten 5 unterschiedliche Mitglieder der Bürgerinitiative ihre persönlichen Beweggründe für ihr Engagement dar. Ich bekam eine Gänsehaut, denn das ging schon sehr unter die Haut und erntete viel Beifall. Muss man ja auch erst ein Mal schaffen 350 Tage vor einem Laden zu stehen, der ein „rechtes Modelabel“ verkauft.

Der Referent stellte an Hand von Bildern, Fotos und Texten, den allgemeinen Trend in der rechten Szene vor und ging dann speziell auf die Geschäftsphilosophie von Thor Steinar ein. An plastischen Beispielen aus der aktuellen Herbst-/Winterkollektion wurden die Zusammenhänge zum Dritten Reich und der rechten Szene hergeleitet. Manchmal versteckte Andeutungen, mal ganz direkt und deutlich, aber immer unverschämt und menschenverachtend. Am meisten hat mich das Modell „Partygranate“ aus der Frauenkollektion beeindruckt, denn neben dem Schriftzug Partygranate waren Handgranaten der Wehrmacht abgedruckt. Pervers.
Oder ?

Deutlich wurde auch, dass das Geschäftsmodell sehr erfolgreich ist und die Gesellschaft Millionen mit der Kleidung umsetzt.
Wo die Millionen bleiben, konnte in der Kürze der Zeit nicht lückenlos geklärt werden. Die Veranstaltung schreit also nach einer Fortsetzung und könnte aufgrund der vielen unterschiedlichen braunen Modelabels zur Veranstaltungsreihe ausgebaut werden.




11.10.2012

Da am 27. Oktober der 70. Todestag von Helmuth Hübener ist, hatte ich mir vorgenommen, seinen Stolperstein in Hamburg-Hammerbrook zu putzen.
Unter www.stolpersteine-hamburg.de findet sich eine entsprechende Putz-Anleitung. Also machte ich mich mit 3 Freundinnen, dem Metall-Putzmittel ‚SIDOL’ und
einem großen, weichen Tuch auf den Weg.  Der Stolperstein liegt an der Ecke Hammerbrookstraße/Sachsenstraße und war nicht nur schmutzig, sondern leider auch etwas zerkratzt.

Nach mehreren Reinigungsvorgängen war er dann aber wieder blank und glänzte in der Sonne. Natürlich haben wir während des Putzens über  Helmuth Hübener gesprochen. Religiöses Engagement, Kontakt zu Antifaschisten und das verbotene Hören der deutsch­sprachigen Sendungen der BBC motivierten ihn zur Herstellung und Verteilung antifaschistischer Flugblätter. Sein Vorgesetzter in der Hamburger Sozialbehörde hat ihn bei der Gestapo denunziert. Helmuth Hübener, dieser mutige junge Mann war mit seinen 17 Jahren der jüngste Widerstandskämpfer an dem ein Todesurteil des Berliner Volksgerichtshofes vollzogen wurde.







24.09.2012
Folgende E-Mail erreichte uns heute, vielen Dank, lieber Verfasser:
Glinde ist eine Reise wert - Rock gegen rechts

Am letzten Samstag durfte ich Menschen kennenlernen, die dem Begriff Zivilcourage wieder Inhalt verschaffen.
Eine heterogene Gruppe
aus allen Altersstufen steht seit einem Jahr Tag für Tag als Mahnwache vor dem Tonsberg Laden in Glinde.
Hier wird mit dem Verkauf von Thor Steinar Klamotten eine Klientel bedient, die ihrem menschenverachtenden rechten Gedankengut durch das Tragen von völkischen Symbolen Ausdruck verleiht.
Neben der Mahnwache und der Präsenz auf dem Glinder Markt am Samstag, wurden bereits zahlreiche spannende Aktionen in die Wege geleitet, die Menschen in den Austausch bringen und verbinden. Und was das Wichtigste ist, meiner persönlichen Ansicht nach, Aufmerksamkeit wird geschaffen für ein Thema, das aus der Geschichte heraus bereits schon einmal zur Katastrophe geführt hat.
Abwertung und Ausgrenzung einzelner Bevölkerungsgruppen ist und bleibt der falsche Weg.
In monatelanger Vorarbeit und diversen Diskussionen wurde ein Event auf die Beine gestellt, das auch mich aus dem Westen Hamburgs nach Glinde lockte.
Rock gegen rechts. Schon allein die Vorbereitungen an dem Tag, zeigten mir, wie hier Gemeinschaft gelebt wird und jeder mit Begeisterung seinen Teil beiträgt. Es war schön zu sehen und noch schöner auch selbst seinen Teil beitragen zu dürfen.
Keine professionelle Eventagentur sondern Menschen, die ein Ziel verfolgen, haben dieses Event auf die Beine gestellt. Ein Event, das davon lebt, das Gemeinschaft, Integration, Austausch stattfindet.
Die großartigen Künstler, die sich bereit erklärten ohne Gage Menschen zu unterhalten, haben ihren Job phantastisch gemacht. Breakstuff integrierte das Publikum, RedSchox ließen Köpfe headbangen, Dr. Ella brachte den Saal zum Beben und Dominik Beseler schaffte eine Atmosphäre in der sich jeder persönlich angesprochen, gesehen und wahrgenommen fühlte. Es war toll!
Ich bin dankbar, das erlebt zu haben und ich werde mein Eintrittsband voller Stolz tragen, bis es abfällt, so wie die vielen Menschen, die im Einlassbereich begierig ihre Handgelenke den Helfern entgegenstreckten, um auch ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Danke!





02.09.2012
Schrecken vor der Haustür
Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen haben sich am Sonntag etwa 30 Glinder Bürgerinnen und Bürger auf den Weg zur Gedenkstätte Neuengamme gemacht. Für mich war es das erste Mal. Es war auch das erste Mal, das ich mich mit Neuengamme auseinander gesetzt habe. Der Schrecken des Nationalsozialismus war irgendwie immer so weit weg. Und nun musste ich begreifen, dass der direkt vor meiner Haustür stattgefunden hat.
Als die Führung mit einem Bericht über das Leben und das Sterben in Neuengamme begann, wurde mir wieder Mal bewusst, dass das nie wieder passieren darf.

Durch die Art und Weise der Führung bekam jedes Opfer aus Neuengamme ein Gesicht und einen Platz in meinen Gedanken. Nun lassen sie mich nicht wieder los, diese Gedanken. Warum? Warum haben die Menschen es damals zugelassen? Warum haben so viele weggeschaut und nicht geholfen? Warum hat Menschlichkeit und Demokratie damals so versagt? Ich weiß es nicht und werde es auch nie begreifen können.

Mich hat es jedenfalls nochmals bestärkt weiterhin gegen Neonazis, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen.



02.09.2012

Im Südosten von Hamburg befand sich von 1938 bis 1945 das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands, das KZ Neuengamme. Es waren mehr als 100 000 Häftlinge aus ganz Europa im Hauptlager und den 86 Außenlagern inhaftiert. In Neuengamme, den Außenlagern und bei Kriegsende im Zuge der Lagerräumungen starben mindestens 42 900 Menschen.

Am heutigen Sonntag besuchten wir die Gedenkstätte.
Unter kompetenter und sympathischer Begleitung versuchte man das Unbegreifliche zu begreifen. Nur bewegt sich das, was Menschen anderen Menschen anzutun vermögen vollkommen außerhalb des Verstandes.
Allerdings hat das Grauen in Neuengamme einen würdigen Rahmen erhalten, in dem es zumindest benannt wird.
Wir bedanken uns bei unserer historischen Betreuerin, einige von uns werden ganz sicher wiederkommen.



1.09.2012
Post aus Kiel





24.08.2012
Auch so kann man die Woche am Glinder Berg ausklingen lassen:
Dolce Vita

Vielen Dank an die Spender!



18.08.2012
Provokation?
Nun stehen wir schon so lang am Glinder Berg und die Reaktionen darauf sind immer wieder anders. Von Beleidigungen über Dosenwerfen, hin zu lebhaft geführten Diskussionen bis zu absoluter Zustimmung haben wir bereits einiges erlebt.
Heute allerdings kam ein junger Mann in Begleitung, der sich offenbar durch unsere Anwesenheit in einer Art provoziert sah, die ihn sogleich den rechten Arm in die Höhe schnellen ließ, um einen Toten zu grüßen.
Läßt sich das mit Aktion/ Reaktion erklären?
Nein, es ist eine Handlung, die überlegt, wenn auch nicht besonders klug überlegt, ganz bewußt durchgeführt wird.
Und die ist nunmal verboten - Dummheit schützt vor Strafe nicht.



07.08.2012
Noch zwei Tage bis zum Prozeßauftakt am Landgericht Lübeck.
Zur Beweiserhebung ist als Zeuge unter anderem auch Uwe Meusel geladen, der den Mahnwachenden sicher noch als Mensch der gehobenen Argumentation (siehe ältere Erlebnisberichte) lebhaft in Erinnerung ist.
Doch ganz gleich, ob die Räumungsklage Erfolg haben wird oder nicht:
wir werden auch weiterhin für eine offene, demokratische Gesellschaft eintreten, in der sich weder Platz findet für Rassismus und Gewalt gegenüber Menschen noch für verharmlosende Symbolik diesbezüglich.



25.07.2012
Urban Knitting
Heute bekam der Stromkasten ein buntes Kleid.
Vielen Dank an die fleißigen Hände, die sowohl ihre Freizeit wie auch ihre Wolle hergaben, um Glinde noch bunter zu gestalten!




07.07.2012

Bunt statt braun

 

Was war das für ein schönes Bild vor dem Laden am Glinder Berg. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger waren unserem Aufruf gefolgt und beteiligten sich an der 250. Mahnwache vor dem braunen Schandfleck in unserer Stadt.

Nachdem die Bunten den Laden mit ihren Flugobjekten blockierten, trauten sich die Braunen nicht mehr aus dem Laden.

Doch was sollten sie machen, denn daheim wartete Mutti ja schon mit dem Essen. Gemeinsam sprachen Sie sich Mut zu und durchdrangen die bunte Menschenmenge. Als Begleitmusik wurde unser Slogan: Glinde, Glinde, das sind wir. Wir wollen keine Nazis hier angestimmt. Mit wackeligen Knien und zusammen gekniffenen A…..backen suchten sie das Weite, stiegen in ihr Auto und fuhren die Einbahnstraße in der falschen Richtung hinunter, ob nun aus aus Gründen der Ortsfremdheit, der Aufregung oder einfach der Unfähigkeit ein Auto zu lenken.
  
Ein herrlicher Anblick und für mich das schönste Bild des Tages. Bunt vertreibt braun aus unser Stadt.    



02.07.2012
Post aus Berlin
Gern hätten wir eine persönliche Grußbotschaft des Bundespräsidenten nach Glinde geholt, besonders als Anerkennung der Menschen die täglich die Mahnwache abhalten und auch derjenigen, die still im Hintergrund agieren, indem sie organisieren und Bündnispartner schaffen.
Selbstverständlich haben wir Verständnis, das der Bundespräsident nicht alle Initiativen mit einem persönlichen Wort bedenken kann, denn glücklicherweise gibt es davon eine ganze Menge - schade ist es trotzdem.
Umso mehr freuen wir uns über die Wünsche und anerkennenden Worte aus dem Bundespräsidialamt für unseren Weg weiterhin für ein demokratisches und tolerantes Glinde einzutreten.




02.06.2012 „Kartoffeln gegen Nazis“

 

Was war das für ein schöner Tag in Hamburg. Gemeinsam sind wir mit einer bunten Gruppe aus Glinde nach Hamburg gefahren und haben uns an der Demonstration gegen den Nazisaufmarsch beteiligt.
Bewaffnet mit bunten Regenschirmen und Glinder Ortsschildern sind wir zur Kundgebung gefahren. Den gesamten Demonstrationszug über bekamen wir Solidaritätsbekundungen wie: „Das sind doch die die schon über 200 Tage vor dem Thor Steinar Laden stehen“. „Man ist das toll, Glinde ist auch wieder dabei !“ „Das ist echt stark, was ihr da in Glinde macht.“ Oder auch: „Wir kommen auch mal vorbei.“ Und: „Im Herzen sind wir bei Euch !“

Alles verlief friedlich und solidarisch und es wurden immer mehr Demonstranten aller Nationen und Farben. Fast hätte man meinen können es handle sich um ein Straßenfest, wenn da nicht der widerliche Anlass vom Naziaufmarsch gewesen wäre. Nach der Demo fuhren wir weiter nach Wandsbek mit dem festen Willen, den Nazis keine Möglichkeit zu geben ihre rechte Propaganda zu verbreiten.

Hier bot sich ein ganz anderes Bild. Überall Polizei, Polizeisperren, Feuerwehr, Wasserwerfer und trotzdem eine extrem friedliche Stimmung. Ratlosigkeit machte sich breit, da es keine Möglichkeit gab mit den Neonazis und Rechtsradikalen direkt „ins Gespräch“ zu kommen. Wir beschlossen in einer kleinen Gruppe, wir bleiben bis die Nazis endlich weg sind und der Spuk sein Ende findet. Am Bahnhof Hasselbrok kam es dann zur direkten Begegnung zwischen uns und dem Naziaufmarsch. Dazwischen nur 3 Reihen freundlicher Polizeibeamter aus Wuppertal, Wasserwerfer, Reiterstaffel etc..


Mehr aus Langeweile und Spaß hatte ich meinen bunten Regenschirm mit einer Kartoffel verziert. Da trat ein Polizist vor und wollte mir meine Kartoffel wegnehmen. Er habe Befehl erhalten mich meiner Waffe zu entledigen. Ich hätte jetzt die Möglichkeit ihm die Kartoffel zu geben oder er müsse meine Personalien aufnehmen. Ich müsste dann mit Ermittlungen gegen mich rechnen, wenn eine Kartoffel gegen die Nazis oder Polizei geworfen werde würde.


Ein echter Demokrat gibt seine Kartoffel jedoch nicht so schnell her. Wo kommen wir denn da hin, wenn friedliche Bürger durch den Besitz von Kartoffeln in die Ecke von Extremisten gestellt werden. Ich gab dem freundlichen jungen Beamten bereitwillig meinen Personalausweis.

Gemeinsam haben wir es geschafft, den Nazis den Weg aus der Stadt zu zeigen und der braunen Einfalt mit bunter und kreativer Kraft entgegen zu treten. Darauf können wir stolz sein. Auch wenn die Presse ein völlig anderes Bild der Geschehnisse in Wandsbek zeigt.




Mittwoch, 30.05.2012
„Zug um Zug“

Am Mittwoch standen wir auf dem Markt und haben unsere Flyer zur Menschenkette am 08.06.12 verteilt. Es war eine Freude, denn die meisten Bürgerinnen und Bürger zeigten sich interessiert und wollten einen Flyer. Auch die Aktion an sich kommt gut an. Mit Menschen und bunten Tüchern die Innenstadt schützen, was für eine schöne Idee hörte ich von vielen. Auch wollten die Menschen über die Aktionen am 02.06. in Hamburg informiert werden.

Dann kam ein älterer Herr und zeigte sich ebenfalls interessiert. Ich wollte ihm ein Flyer in die Hand drücken und zur Beteiligung an der Menschenkette auffordern. „Das lassen Sie mal lieber junger Mann“ war seine Antwort. Er war erbost, dass der Glinder Bürgermeister sich an dem Protest gegen den Thor Steinar Laden beteiligt. Ein Bürgermeister habe sich neutral zu verhalten und dürfe nicht unter „roten Fahnen“ durch die Stadt marschieren. „Nein“ war meine Antwort. Ich bin wirklich stolz auf die Unterstützung durch Herrn Zug und die Menschen unserer Stadt. Es gesellte sich eine 92jährige Dame zu uns und es entstand eine wirklich interessante und anregende Diskussion über Demokratie und Toleranz. Es ist schön zu erleben, wie sich etwas bewegt in unserer Stadt. Zug um Zug kommen wir unserem Ziel näher; wir schaffen uns eine Stadtkultur in der Nazis und Rechtsextremisten keine Chance haben. Danke Glinde.



Montag, 14.05.2012

Erlebnisbericht Bürgerpreis der Bergedorfer Zeitung 

Am 9.Mai war ich mit einem persönlichen Schreiben zur Verleihung des Bürgerpreises im Rathaus Bergedorf in den Spiegelsaal eingeladen. Vor dem Rathaus wartete Hans-Jürgen schon auf mich. Ich war mal wieder viel zu spät. Danke Hans-Jürgen für Deinen seelischen Beistand. Ich war sehr nervös wegen dem, was mich im Rathaus erwartete. 

Die Begrüßung war sehr nett und ich fühlte mich gut empfangen. Im Spiegelsaal saßen alle Nominierten an einer langen Tafel und warteten geduldig. Alle schauten sich gegenseitig neugierig an, gespannt wer gleich den 12. Bürgerpreis bekommen sollte. Der Spiegelsaal bot genau das richtige Ambiente für eine so schöne Ehrung.  

Arne Dornquast, der Bezirksamtsleiter, eröffnete den Abend mit einer Rede, dem folgten Kay Schädlig, Vorstand der Volksbank-Stormarn, sowie Probst Mathias Bohl, Jury Vorsitzender. Alle bedankten sich bei den Nominierten und betonten, dass es sehr schwer war, eine Entscheidung zu treffen.

Zwischen den Reden wurde der Abend durch Klarinettenmusik untermalt.    

Schließlich wurde die Verleihung durchgeführt. Der Preis wurde durch zwei geteilt und ging an

1.Ole Rehmeyer mit „Music helps“, der Benefizkonzerte veranstaltet und den Erlös an Behinderte bzw. deren Therapien spendet und
2.an Ute Meier-Eberlin mit der Reinbeker Suppenküche

Beide freuten sich riesig über die Summe und bedankend sich sehr bei den Veranstaltern. Es gibt noch viele Projekte, die sie  gern mit dem Gewinn umsetzen möchten.
An dieser Stelle an beide Preisträger herzliche Glückwünsche! 

Anschließend wurden die übrigen zehn normierten Bürger mit ihren Projekten vorgestellt. Ich habe gesehen, das fast alle mit zwei vollgeschriebenen Seiten vorgestellt wurden und wo es so viel zu erzählen gibt, muss jede Menge Engagement drinstecken.

Alle Nominierten waren sehr gerührt, dass ihre ehrenamtliche Arbeit so geschätzt und detailliert vorgetragen wurden. Nach jeder Vorstellung erhielt jeder eine Ehrenurkunde.

Auch ich wurde mit unserer BI und unseren vielzähligen Aktionen vorgestellt. Traute Rohmann hatte Tränen in den Augen und musste beim Erzählen immer wieder schlucken, um nicht zu weinen, da sie so berührt war, was in einer so kleinen Stadt durch persönlichen Mut möglich ist.

Es war unheimlich ergreifend und rührend, aber ich war tapfer und die Augen blieben beinahe trocken.

Ich bin aufgestanden, habe mich im Namen der BI bedankt und alle zu den Mahnwachen eingeladen, wir freuen uns über jeden Teinehmer sehr.    

Anschließen wurde das Büfett eröffnet. Es gab viele Leckereien :-) 
Während des Essens wurde sich viel miteinander unterhalten und Visitenkarten wechselten die Besitzer. Auch ich habe Visitenkarten erhalten von Menschen, deren Projekte für uns interessant sind und wir auch für sie.

Alles in allem war es ein sehr schöner Abend.



Samstag, 12.05.2012
Kühl wars und windig - aber bunt.
Der heutige Fischzug wurde dieses Jahr, trotz anfänglicher Ressentiments der Bürgerinitiative gegenüber, um einen farbenfrohen Stand bereichert.
Neben dem Spaß mit und für Kinder fanden interessante, motivierende und auch kritische Diskussionen statt.
Vielen Dank an alle, die dabei waren!!


Die anschließende Mahnwache erhielt Besuch von Martina Denecke, Bürgermeisterin von Oststeinbek, die Gummibärchen und solidarische Worte überbrachte - auch dafür ein herzliches Dankeschön!



Dienstag, 08.05.2012

Am 8. Mai, dem Tag der Erinnerung an die Kapitulation, bekam die Mahnwache am Glinder Berg Besuch von einer Delegation des Ortsverbandes "Die Linke" Oststeinbek, Glinde und Reinbek.
Angesichts des Tönsberg-Ladens und vor einem großen roten Transparent mit dem "Schwur von Buchenwald" hielt einer der Teilnehmer eine Rede. Er erinnerte an das Kriegsende und die unzähligen Opfer, an das Schicksal einzelner Verfolgter des Nazi-Regimes in unserem Umfeld, insbesondere aber auch an die Zwangsarbeiter  im Lager Wiesenfeld, deren damalige Lage und Schicksal bis heute viele Fragen offen läßt. Mit einer allgemeinen Schweigeminute endete die Kundgebung. Anschließend zog die Delegation weiter
zum Glinder Markt, wiederholte dort die Kundgebung und legte anschließend im Bürgerhaus unter der
Erinnerungstafel für die Opfer des Lagers Wiesenfeld ein Blumengesteck nieder. Es war eine wackere Aktion,
der man allerdings mehr Aufmerksamkeit und Teilnehmer/innen gewünscht hätte! Aber sie hat auf jeden Fall daran erinnert, daß das Thema "Lager Wiesenfeld" für Glinde noch lange nicht erledigt ist, weder im Blick
auf die Dokumentation von Zahlen und Fakten, noch auf einen angemessenen Erinnerungsort (Stein, Gedenktafel o. ä.) vor Ort in Wiesenfeld.



Freitag, 04.05.2012
Nach den vergangenen kurzen Arbeitswochen ist es für Körper und Geist unbedingt erforderlich sich vorsichtig und nicht zu schnell wieder an den Rhythmus einer normalen 5-Tage-Woche zu gewöhnen.
So läßt sich auch die verkürzte Öffnungszeit von "Tonsberg" um immerhin zwei Stunden am heutigen Tag erklären.
Nach Aussage des Geschäftsführers rentiert sich der Laden ja auch ohne sichtbare Kundschaft.
Und so konnten wir Mahnwachenden zumindest ganz entspannt mit einigen Fahrradausflüglern und bei ansprechender Musik ins Wochenende starten.
Danke!





Samstag, 21.04.2012

Bei ziemlich durchwachsenem, wenn auch meist trockenem Wetter kamen wir heute am Glinder Berg in den Genuß der Musik von den "Five Guys" zu lauschen.
Unplugged und A Capella.
Toll war's, leider viel zu kurz.
Vielen Dank an alle fünf. Wir freuen uns sehr darauf Euch bald wieder zu hören!



Mittwoch, 4.04.2012

Heute erhielten wir bei der Mahnwache unerwartete Unterstützung.
Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein besuchte uns im Rahmen ihrer Aktionswoche.
Dieser Zuspruch von jungen, aktiven Menschen hat uns sehr gefreut und erneut motiviert.


 



Sonntag, 25.03.2012
Das Wetter hat es an diesem Wochenende wirklich gut gemeint.
Bei wolkenlosem blauen Himmel und fast schon sommerlichen Temperaturen begrüßte Glinde den Frühling in all seiner bunten Vielfalt.
Am Samstag ging es nach Infostand und Mahnwache nach Hamburg, um auch dort zu zeigen, was Glinder Bürger so von Nazis halten - nämlich nix!


Und nicht nur Glinde war zahlreich vertreten.
Die Aktionswoche "Hamburg steht auf" fand am Hafen einen gelungenen Abschluß - den Initiatoren ein großes Lob für eine spannende, abwechslungsreiche Woche.
Doch auch heute gab es keine Zeit, sich der Frühjahrsmüdigkeit hinzugeben.
Der Glinder Autofrühling bot neben Fahrzeugen und Bratwurst auch beschwingten Jazz und die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre zu informieren wer wir sind und was wir tun und warum wir tun, was wir tun.


Daraus entstanden neben vielen tollen Bildern eine Reihe interessanter Gespräche -
Danke an alle Interessierten sowie alle an diesem Wochenende Beteiligten!



Samstag, 3.03.2012

Ohne Worte
 

Am letzten Samstag standen wir wieder auf dem Marktplatz und haben unseren Stand aufgebaut. Pöbelnd kam ein haarloser doch nicht harmloser Mann vorbei und blubberte wie ein Wasserfall. Einige Auszüge seiner Gedankensprünge: „St. Pauli sei auch braun.“ „Alle Straftaten auf deutschem Boden gingen von Ausländern aus“. „Ihr gefährdet mit euren Aktionen die Demokratie“.

Wir begannen zu argumentieren und über die Geschäftspraktiken von Thor Steinar zu berichten. Doch unsere Worte schienen ihn nicht zu erreichen. Seine Frau gesellte sich inkl. Sohn hinzu und gab die gleichen Parolen aus. Wir waren erschrocken über so viel geballten Blödsinn.

Zum Abschluss salutierte er in aller Öffentlichkeit mit dem Hitlergruß und ging Richtung Marktplatz. Wir waren echt schockiert und sprachlos. Auch alle anderen Passanten fanden keine Worte und gingen ihres Weges.



Mittwoch, 22.02.2012
Der Storch war da

Heute flog Storch Heinar auf den Glinder Berg, um mit seiner Division die Mahnwache mit Musik und Tanz zu unterstützen.


Vielen Dank und wenn Du mal wieder in der Nähe zu tun hast, komm ruhig wieder vorbei, denn es ist genau so, wie Du gesagt hast:

"Wer zuletzt lacht, lacht als letztes"



Montag, 06.02.2012 Verdacht und Überraschung

Heute gegen 17 Uhr wurde ich auf dem Lebensmittelmarkt-Parkplatz auf einen Mann aufmerksam, der in seinem Auto auf etwas zu warten schien. Ich bekam mit, dass er auch mehrmals ausstieg und verdächtig interessiert in Richtung Thor Steinar Laden blickte. Da wir schon häufiger von Fremden beobachtet, fotografiert oder gefilmt wurden, war mir das sofort nicht geheuer. Um genau diese Uhrzeit versammeln wir uns ja jeden Tag zur Mahnwache. Auch ich wollte nun schnell die Mahnwache auf den Mann aufmerksam machen. Das war denn jedoch nicht mehr notwendig.
Überraschung! Hinter mir stand tatsächlich der Mann vom Parkplatz und noch besser, er stellte sich als der Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion vor...!

Mein Fazit: Bleibt alle weiter aufmerksam, denn sonst verpasst ihr so manche Überraschung!


Anerkennung 04.02.2012

 

Wie jeden Samstag standen wir wieder pünktlich um 9°° Uhr auf dem Marktplatz um mit den Glinder Bürgerinnen und Bürgern über unsere Ziele und Aktionen in den Dialog zu treten.

Rolf berichtete von den zahlreichen Anerkennungen der letzten Woche:
Nominierung für den Bergedorfer Bürgerpreis, Nominierung für den Olof Palme Friedenpreis, Einladung von Bundespräsident und Bundeskanzlerin.
Wir haben uns riesig gefreut und trotzdem nimmt einem das nicht die Kälte in den Gliedern.

Dann kam eine ältere Dame auf uns zu und schenke uns 3 Herzen aus Schokolade mit der Bemerkung für die „3 Aufrechten“.



Mir wurde wieder einmal klar, weshalb ich jetzt seit 3 Monaten auf das Frühstück mit der Familie verzichte und auf dem Marktplatz stehe. Die Anerkennung, Solidarität und wärmenden Worte der Glinderinnen und Glinder, die alle das gleiche Ziel haben:

der Laden muss weg !




19.01.2012
Nachhaltigkeit

Zuerst war ich wenig begeistert von der Idee einen Neujahrsempfang vor dem Laden zu machen. Irgendwie bringe ich das immer mit der großen Politik und langweiligen Reden in Verbindung.

Dann kam ich an den Glinder Berg und ich dachte die Januarsonne würde mich wärmen. Die Sonne ist leider weg, aber die Wärme ist geblieben. Es waren die Menschen auf dem Neujahrsempfang,die mir die Wärme gaben. Sie waren bunt, sie waren friedlich, sie waren gesprächig, sie waren einfach da und wärmten mich. Ich denke seit mehreren Tagen an diese schönen Momente zurück und danke Euch dafür.

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die die großen Gefühle hervor bringen. Macht weiter so und haltet durch. 






4.1.2012
 

In den ersten drei Tagen des neuen Jahres haben wir bei der Mahnwache nur wenige Thor-Steinar-Kunden gesichtet. Diese waren wohl schon alle zwischen Weihnachten und Silvester hier, denn in der letzten Woche des Jahres 2011 hatten wir reichlich zu tun. Da kamen sogar junge Leute aus Litauen (LT) und auch aus der Slowakei (SK-RO (Revuca)) , um im Thor-Steinar-Laden einzukaufen.

Aber auch wir bekommen internationale Unterstützung. Am 31.12.2011 informierte sich ein dänisches Paar bei uns, war begeistert von unseren Aktionen und will in Dänemark über uns berichten. Außerdem wurden wir Silvester mit leckeren Brötchen und Sekt verwöhnt und ein Gitarrenquartett animierte uns zum Singen, so dass wir sehr gut gelaunt ins neue Jahr starten konnten. 



20.12.2011
Zum Jahresende

Noch ist man im Trubel der Vorweihnachtszeit verhaftet. Es gilt auch ja keinen zu vergessen mit Grüßen, Geschenken und ähnlichem. Doch die Stunden zwischen heute und morgen sind ganz in der Nähe und warten nur darauf von Gedanken gefüllt zu werden. Wie war das Jahr, was hat es einen erleben lassen? Was bringt das neue wohl so mit sich?

2011 war in vielerlei Hinsicht wirklich kein gutes Jahr.

Bankenkrise, EHEC, Fukushima, Utøya, NSU und vieles mehr zeichnen ein bitteres Bild der Wirklichkeit.

2011 war auch ein Jahr der Hoffnung: Menschen standen auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen für das ein, woran sie glauben: Diktatoren wurden gestürzt und ein ganzes Land setzte einem Massenmörder Liebe und rote Rosen entgegen.

Es heißt Großes entscheidet sich im Kleinen und so kann ich für mein ganz persönliches 2011 sagen, das es um einen versöhnlichen Abschluß bemüht ist.

In diesem Jahr traf ich vor der eigenen Haustür auf Menschen, die mit einem schier unstillbaren Tatendrang und unerschöpflicher Kreativität, für das eintreten an das sie glauben. Ich traf auf eine Kirche, die von Menschen repräsentiert wird, die das leben woran ich glaube und es begegneten mir Politiker, die über die Grenzen ihres Parteibuches heraus agieren.

Und, so paradox es sein mag, bin ich auch dankbar für das, was in dieser kleinen Stadt geschieht, denn es gibt mir für 2012 vor allem eins: Zuversicht!



13.12.2011
Der Tannenbaum wird immer schöner!














10.12.2011
Schnee + Regen, ein wunderschöner Tannenbaum (leider noch ungeschmückt), eine heiße Suppe und frischer Kaffee.

Puh und nun endlich Ladenschluß für heute!





3.12.2011
Heute war es regnerisch und windig, aber trotzdem sind sehr viele von uns tapfer pünktlich auf dem Glinder Berg zur Demo angetreten. Wir haben den Heizpilz und das halb kaputte Zelt aufgebaut und dem Wetter getrotzt. 

Ich bin froh, wie viele engagierte Mitbürger/innen ich hier in Glinde habe. 


Es dürfen gerne noch viel mehr werden, denn wir brauchen euch!

Anders als am letzten Samstag, als der Laden schon mittags aufgrund der Großdemo schließen musste, sah es heute aus. Die Kunden gaben sich quasi die Klinke in die Hand. Es waren Pärchen, Familien mit Kind, junge Männer und Frauen dabei, die wohl ein Teil ihres Weihnachtsgeldes für Thor Steinar Klamotten ausgegeben haben. 

Jedoch ist nicht jeder, der einmal neugierig in den Laden hineinschaut, ein Nazi. Auch Antifaschisten aus der Umgebung sind aufmerksam geworden und wollen sich von dem Laden ein eigenes Bild machen. 

Genauso verhielt es sich heute mit einem jungen Pärchen. Sie waren zunächst in den Tonsberg-Laden gegangen, aber kamen danach zielstrebig zu uns Bürgern. Sie zeigten uns im Gespräch und mit Berlinern und Kakao ihre Solidarität. 

Das war ein tolles Erlebnis und motiviert uns weiterzumachen. 

Danke!




26.11.2011
Am heutigen Samstag öffnete "Tønsberg" zu gewohnter Zeit gegen 10.00 Uhr. Etwa 2 Stunden später sammelten sich annähernd 600 Menschen auf dem Glinder Marktplatz und machten sich gemeinsam auf den Weg zum Glinder Berg. Dort angekommen, der Laden hat überraschenderweise seine Öffnungszeiten heut stark verkürzt, gab es heißen Punsch, warme Waffeln und viele Worte.

Es ist schön, zu sehen, wieviel Menschen auf- und einstehen für die Würde des Einzelnen, für Gleichberechtigung, für Verantwortung füreinander, für die Anerkennung von Individualität.

Dieser Tag war ein gelebtes "Glinde ist bunt"-Plakat!


14.11.2011
Gestern habe ich endlich mal wieder meinen Hintern erhoben und bin zur Mahnwache an den Glinder Berg gegangen. Es war kalt, bitter bitter kalt. Und trotzdem standen gut gelaunte Mitbürger und mahnten.
Dann ging das Gas im Gasstrahler zur Neige und ich dachte: jetzt gehen die in die Knie.

Aber nein, sie mahnten weiter und der heiße Tee machte seine Runde.
Dann brach auch noch das Gestänge des Pavillons und ich dachte: jetzt gehen sie in die Knie.

Aber nein, gemeinsam wurde Hand angelegt und der Pavillon zerlegt.
Dann lächelte Klaus und sagte: "Daraus machen wir ein schönes Transparent."

Und mir wurde klar: die gehen nie in die Knie und das ist auch gut so.

Macht weiter so.

 

 

12.11.2011
Ein herzliches Dankeschön an den Würstchenspender!



 



10.11.2011
Hoher Besuch am Glinder Berg
Offensichtlich hatten Herr Uwe Meusel nebst artgerechter Begleitung heute einige Besorgungen in der Region zu erledigen. Der niedliche Hund wurde solang in die Obhut der "Tønsberg" Verkäuferinnen gegeben, denen man bedenkenlos seinen Hund anvertrauen kann, denn dieser wird in drei Stunden dreimal Gassi geführt. Da diese Runden nur von kurzer Dauer waren, liegt die Vermutung nahe, das das süße Tierchen seine Notdurft im Freiluftbereich von Kliemann verrichtete. Nun gut, man weiß es nicht.
Doch viel interessanter als diese Anekdote, war das Gespräch, das sich nach Ladenschluß ergab. Herr Meusel samt Entourage in seinem bereits gestarteten Auto sitzend, wir unter dem Pavillon stehend. Warum Herr Meusel den Parkplatz nicht einfach verließ, erklärt sich sicher durch seinen Monolog, dessen Argumentationskette wir aber leider nicht folgen konnten, da sie aus einer uns unbekannten Sprache (vielleicht auch dem Tierreich zugehörig) bestand. Gern wüßten wir, was er uns zu sagen versuchte. Schade!



26.10.2011
Am heutigen Tag trat ein junger Mann auf die Gruppe Mahnwachender zu und erzählte, das er vor zwei Tagen ins "Tønsberg" ging, um mal zu schauen. Da ihm die Kleidungstücke gut gefielen fiel seine Wahl auf eine Jacke. Als er mit seiner "Thor Steinar"-Tüte aus dem Geschäft trat, war er sehr erstaunt Pfiffe, Tröten und ähnliches zu hören. Nun konnte er kaum glauben, was ihm vor Ort an Erklärung gegeben wurde, denn auf ihn hatte der Laden einen vollkommen harmlosen Eindruck gemacht.
Zuhause angekommen recherchierte er und musste entsetzt feststellen, das es nicht viel Zeit brauchte, um an den Kern zu stoßen.
"Und das", schloss er seinen Bericht "werde ich ganz sicher nicht tragen!" und drückte uns ein herausgetrenntes Label von "Thor Steinar" in die Hand.

Gern übernehmen wir die Aussenstelle der Altkleidersammlung von "Thor Steinar". Wer auch immer sich nicht oder nicht mehr mit diesem Label identifizieren kann, ist herzlich eingeladen sich zur Demokratie zu gesellen. Zu finden ist sie genau gegenüber!



11.10.2011
Seit Eröffnung des Bekleidungsgeschäfts Tønsberg demonstrieren täglich von 16:00 bis 19:00 Glinder Bürger friedlich gegen den Verkauf von Kleidung, die den Ausdruck faschistischer Gesinnung transportiert. Mindestens ein Streifenwagen mit zwei PolizistInnen steht während der Mahnwache vor dem Laden, denn es kommt immer wieder vor, dass Kunden, vor oder nach ihrem Einkauf bei Tønsberg, beleidigende Gesten in Richtung der Mahnwache haltenden Glinder tätigen. Anfangs parkten die Verkäuferinnen ihr Auto noch in Nebenstraßen, aus Angst vor Beschädigungen, inzwischen steht ihr Wagen direkt vor dem Laden. Der Protest der Glinder Bürger verläuft friedlich und wird solange weitergehen bis Tønsberg am Glinder Berg verschwunden ist.




30.09.2011
Jeder, der gern shoppen geht, kennt es doch: das große Verlangen nach der Zigarette danach mit der Verkäuferin vor der Boutique (siehe Foto).

                                Die Erlebnisberichte geben die Meinungen der Einsender wieder.

Aktuell:  
  2011 bis ...?
Wir können noch ein bißchen


 
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Mahnwachenwochen seit dem 16.09.2011  
 
178 Wochen

Kommen Sie vorbei und lernen Sie uns kennen!
 
Das finden wir gut  
  www.jung-gegen-rechts.de

Zwei Jungs, die sich auf eine Reise begeben und dabei Flagge zeigen.
Schauen Sie mal hini.
 
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